| Rezensionen:
Martin Walser Der Lebenslauf der Liebe |
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Porsche, Penthouse, ParkinsonKeine Lebenskatastrophen zum Gern-Haben |
| Abgesang auf die Schickeria der Geldwelt |
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Mit großer Lust am Formulieren und Fabulieren, hat Martin Walser, der Romancier vom Bodensee, den „Lebenslauf der Liebe“ geschrieben, einen Abgesang auf die Schickeria der Geldwelt, die an ihrer Liebesunfähigkeit zu Grunde geht. Zum Gernhaben sind die Düsseldorfer Protagonisten nicht, auch wenn sie so heißen. Den Mittelpunkt bildet Susi Gern – die Hiob-Figur, naiv und reich, ungebildet und liebessüchtig, wild auf Statussysmbole der Konsumwelt (Prada, Jill Sander, Porsche). Sie ist Martin Walsers scheiternde Heldin. Man könnte sie gern haben, diese Susi Gern mit all ihren Liebes- und Lebenskatastrophen, dem missratenen Sohn, der behinderten Tochter, dem notorisch untreuen Ehemann. Geduldig erträgt sie jedes Unglück, das über sie hereinbricht. „Ihr Leben, diese Ehe ist das reine Unglücksglück. Sie hat keine Scheu, sich die glücklichste Frau der Welt zu nennen, wenn mehr mitgedacht als ausgesprochen wird, dass sie auch die unglücklichste Frau der Welt ist.“ Sie weiß mit der behinderten Conny, die ständig Türmchen baut oder Ticks pflegt, so liebevoll umzugehen, dass es einen rührt – und dass man mit einer durchaus nicht immer sympathischen Heldin dann doch mehr als Mitleid empfindet. Darf man auch – denn da ist Edmund, Ehemann und Ehebrecher, Börsenspekulant und Immobilienjongleur, mit seinen Geliebten und den gekauften Frauen (z.B. der Edelnutte Proll!), seinen wilden Parties und Inszenierungen. Was aber macht Susi Gern, genannt „Schnucke“ ? Schickt sie ihren Edmund in die Wüste, weil sie dieses Leben nicht mehr ertragen kann. Sie denkt sehr wohl daran: „Einerseits hatte Edmund, als er die Fundamentalbedingung ihrer Ehe gewürdigt hatte- nichts hinterm Rücken des anderen! – die Unverbrüchlichkeit ihrer Ehe gefiert – wenigstens die Wahrheit und nichts als die Wahrheit -, andererseits hatte sie sich oft genug gewünscht, es nicht wissen zu müssen, weil dann in ihrer Vorstellung alles ablief, was dort, wo er gerade war, ablief. Und trotzdem: es zu wissen, so weh es tat, war besser als die undurchsichtige Watte des Betrugs. Ist doch gar nicht wahr! Hin jetzt, quer durch die Flughafenhalle, denen Guten Flug ins Gesicht geschrieben und zurück in die Stadt, die Scheidung eingereicht... Susi in Aufruhr. Du hast dich nie abgefunden, Blödesuse, du hast nur so getan, als ob. Schluß. Bleib. 's iss, wie’s iss.“ Sie bleibt inkonsequent, die Geschichte endet im Desaster. Edmunds Imperium bricht zusammen, er hat einen unüberschaubaren Schuldenberg, leidet unter Parkinson, Prostata, Inkontinenz, wird zum Pflegefall, stirbt schließlich. Der Sohn endet als Zuhälter, stürzt sich melodramatisch von einer Brücke. Susi, die Liebesbedürftige, muss das 400-Quadratmeter-Penthouse räumen, verhökert, was sie vor dem Gerichtsvollzieher noch retten konnte, lebt von Sozialhilfe und nimmt sich schließlich den jungen Marokkaner Khalil als Mann. Aus der Geschichte hätte man was machen können. Ein Roman über den Niedergang einer Oberschichtfamilie ist es ja, aber beileibe kein Buddenbrook-Roman vom Niederrhein. Zu oft schlägt der nicht enden wollende Roman ins Unappetitliche und Geschwätzige um. Und das, obwohl Walser so exzellent schreiben kann und obwohl ihm herrliche Szenen gelingen (Conny). „Schwacher Roman mit starker Hauptfigur“, meinte die „Zeit“, die den Autor grandios gescheitert sieht. Ganz so negativ wollen wir’s nicht sehen. Aber überzeugt sind wir auch nicht. Den Lesern wünschen wir Geduld und langen Atem. Armin König ------------------
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