Herr von Ribbeck auf Ribbeck – vorgelesen im Seniorenheim

Ein Runde netter alter Damen im Altersheim, aufgemuntert von ihrer Betreuerin mit Rheinliedern. Hier also soll ich vorlesen. Schön. Ich hatte schon so ein Gefühl, dass es gut wäre, nicht aus neuen Büchern vorzulesen, sondern aus alt bekannten Balladen und Gedichten und alt bekannter saarländischer Umgebung. Und das war wohl richtig. 

Theodor Fontane – Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland. Natürlich erinnern sie sich an ihre Schulzeit.

Ich sehe, wie sie stumm die Lippen bewegen: “da stopfte, wenns Mittag vom Turme scholl” – jetzt nur nicht zu schnell lesen – “der von Ribbeck sich beide Taschen voll und kam in Patinen ein Junge daher, so rief er” – ein erwartungsvoller Blick von der hellwachen Dame neben dem Pfeiler – “Junge wiste ‘ne Beer?” 

Ja, das genießen sie. Das hören sie gern. 

Später dann “Die Bürgschaft”. Und wieder bewegen sie die Lippen zum gehörten Text:

“Zu Dionys dem Tyrannen schlich Damon, den Dolch im Gewande.”

Was ihnen auch gefallen könnte:  Johannes Kühn und Johannes Kirschweng.

Und es gefällt ihnen.

Der saarländische Ton, der Rhythmus, die Orte.

„Nach der Schicht”, murmelt die Frau neben dem Pfeiler.

„Nach der Schicht”,  genau, das war die christliche Wochenzeitung, die auch Oma und Opa bezogen.  Sie kam aus Wiebelskirchen. “Gesammelte Erzählungen, Skizzen, Schilderungen aus allen Gebieten zur Unterhaltung, Belehrung und Aufklärung für das Volk”. Ich bin überrascht, wie gut Kirschweng erzählen konnte. Kein schlechter Autor. Allerdings nicht sehr modern. Den Damen gefällts. 

Später noch Gespräche im Speisezahl mit zwei im Wortsinn alten Bekannten aus meiner alten Heimat Hüttigweiler. Sie habe sich so darauf gefreut, mich zu sehen und ein paar Worte mit mir zu reden, sagt Frau Pick. Ihre Augen werden wässrig. “Und jetzt bin ich ich sehr froh”, flüstert sie. ”Sehr froh”.

Sie muss wirklich glücklich sein.

Es fällt mir schwer, Abschied zu nehmen…Mein Gott, wie einfach es sein kann, alte Menschen glücklich zu machen. Wenn man einfach nur Zeit für sie hat und mit ihnen redet. Ich glaube es kaum.

Ein merkwürdiges Gefühl beschleicht mich. 

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