Demographisch-Kritisches

Während das Phänomen der Alterung bundesweit akut wird, ist die Bevölkerungsentwicklung regional sehr unterschiedlich. Ich rechne in den nächsten Jahren mit einer "gespaltenen regionalen Dynamik". Das heißt, dass sich das Nebeneinander von wachsenden und schrumpfenden Kommunen wohl fortsetzt, vielleicht noch verschärft. Wobei die Zahl der schrumpfenden Städte und Gemeinden stark zunehmen wird. Das ist ein echtes politisches Problem. Noch heißt’s: Ihr seid Verlierer-Regionen, wenn ihr schrumpft". Das ist ein Makel.

Also versuchen Politiker, den demographischen Trend zu bremsen oder gar umzukehren. Das ist völliger Quatsch – weil es nicht funktioniert. Vielfach vermeiden die verantwortlichen Politiker auch die ehrliche Diskussion darüber, weil Schrumpfung einen negativen Touch hat. Aber auch das ist Unsinn.

Schrumpfung ist unvermeidbar in einem großen demographischen Rahmen. Klar ist: Schrumpfende Gemeinden und Regionen im Schatten boomender Metropolen, die von Politik, Wirtschaft und Medien bevorzugt behandelt werden, haben kaum Chancen, den Trend zu drehen. Nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren können Gewinne der Metropolen zu Bevölkerungsverlusten des Umlands führen. Das ist sogar von vielen Stadtplanern gewollt, nicht aber von den betroffenen Umland-Regionen im suburbanen Gürtel.

Das Vorurteil, dass schrumpfende Regionen Verlierer sind, mit denen man nichts zu tun haben will, ist allerdings kurzsichtig, da in Zukunft das Gros der deutschen Städte und Gemeinden schrumpfen wird. Vor allem darf Schrumpfung nicht mehr mit dem Verlierer-Image belegt werden. Zu den Gewinnern der Zukunft können die Kommunen gehören, die heute schon die Schrumpfung als vorhersehbaren Trend akzeptieren und sich präventiv auf die Folgen einstellen.

 

(c) 2010 Armin König

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