Kirchenkrise: Der Anfang vom Ende der Alt-Männer-Herrschaft

8. Mai Beginn der Kapitulation?

 

Ist das der Anfang vom Ende der Alt-Männer-Kirche? Dieser 8.Mai 2010 hat etwas von Kapitulation: Der Vatikan hat das Rücktrittsgesuch des Augsburger Bischofs Walter Mixa angenommen und ihn nach den Worten eines großen deutschen Magazins “aus dem Bischofsamt entfernt”. Laut ARD-Hörfunkstudio heißt es in der Verlautbarung des Heiligen Stuhls: “Der Heilige Vater Benedikt XVI. hat das von Bischof Walter Mixa eingereichte Rücktrittsersuchen vom Amt des Bischofs von Augsburg und vom Amt des Militärbischofs der Bundesrepublik Deutschland angenommen.”

So schnellen Prozess hat der Vatikan jedenfalls noch selten gemacht, wohl um weiteren Schaden von der Kirche abzuwenden. Doch der ist jetzt schon gewaltig. Dass gegen einen deutschen Bischof unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs ermittelt wird, nachdem die Kirche selbst die Initiative ergriffen hatte, ist eine neue Dimension. Dies dürfte die katholische Kirche in ihren Grundfesten erschüttern, weil erstmals das bischöfliche Hirtenamt als solches radikal in Frage gestellt ist.  Was ist das für ein Gott, der erlaubt, dass ein solcher Mann, der zu den Scharfmachern der Kirche gehörte, als Nachfolger der Apostel im Auftrag des Heiligen Geistes “höchste, volle, unmittelbare und universale Seelsorgsgewalt” (2. Vat. Konz., Christus Dominus, 2, Abs. 2) ausüben darf? Was ist das für ein Verständnis eines Seelsorgers, mit “Watschen” (Mixa) zum “Aufbau des Leibes Christi” (Eph 4,12) beizutragen? Und welchen Wert haben  Keuschheitsgelübde, wenn ein Bischof, der nach Vatikanischer Lehre “Vom Heiligen Geist eingesetzt” ist und “an die Stelle der Apostel als Hirte der Seelen” tritt, möglicherweise die privateste Sphäre der ihm Anvertrauten verletzt?

Ich will es an dieser Stelle nur deshalb so vorsichtig ausdrücken, weil ich keine Abmahnung riskieren will, wie es etwa die Diözese Regensburg in einem anderen Fall in unnachahmlicher Art exerziert hat, um Kritik im Keim zu ersticken.

Die Presse bezeichnet die Vorwürfe schärfer: Prügelvorwürfe, Verdacht der Veruntreuung von Stiftungsgeldern, Ermittlungen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs – was für ein unglaublicher Skandal!

Ich persönlich empfinde Scham und Wut. Diese Altmänner-Kirche, die die Frauen vom gleichberechtigten Dienst am Altar ausschließt, macht es mir immer schwerer. Es ist Zeit für einen radikalen Wandel.

Es ist Zeit für eine Kirche des Volkes. Gott möge helfen, dass eine neue Kirche im 21. Jahrhundert das Vertrauen zurückgewinnt, das Mixa und eine Reihe kirchlicher Würdenträger auf schäbige Art missbraucht haben.

Um es mit Matthäus zu sagen: “So erscheint auch ihr äußerlich den Menschen als Gerechte, innerlich aber seid ihr voll von Heuchelei und Gesetzlosigkeit.” (Matth 23, 28)

Armin König

Siehe auch:

FAZ: Papst entlässt Mixa aus Bischofsamt

ARD – Tagesschau: Mixas Rücktritt – Dürre Worte aus dem Vatikan

Welt online: Mixa-Krise ist mit dem Rücktritt nicht ausgestanden

Spiegel Online: Gefallener Bischof Mixa: Vom Papstliebling um Paria

8. Mai 2010: Beginn der Kapitulation der Alt-Männer-Kirche? 

 

1 Comment

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Venitusreply
9. Mai 2010 at 13:22

Lieber Armin König,
ich sehe das wie Sie, und ich werde mich aufmachen, zur altkatholischen Kirche zu wechseln. Die ist katholische (fast) wie die römische, aber nicht so verkrampft und nicht so unglaubwürdig. Der Kern des Glaubens und sogar die Liturgie sind hier die gleichen.
Wer seine Wurzeln in der röm.-kath. Kirche hat, kann nicht verstehen, weshalb jetzt angeblich sehr viele Mitglieder so mir nix dir nix zur evangelischen übertreten, ohne sich mit den wirklichen Unterschieden dieser beiden Konfessionen offenbar näher beschäftigt zu haben. Wer seine Wurzeln in der röm.-kath. Kirche hat, kann sich schnell heimisch fühlen bei den alt-katholischen Christen.
Beste Grüße, Venitus

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