Kusch(el)pflicht für Direktoren in Jamaika?

Wenn es zutrifft, was der Saarländische Rundfunk meldet – und warum sollte ich Zweifel haben? ich arbeitete dort -, dann herrscht im Saarland Kuschpflicht für Direktoren. Nichtkusch(l)ern droht: (Selbst?-)Zensur durch Druck, Webseitenabschaltung, Schweigegebot. Zack. Da lehrt ein grüner Minister und Ex-GEWler die alten Philologen mit ganz klassischen macchiavellistischen Rezepten Mores. O Tempora!

Demnach hat „das“ Bildungsministerium (- wer immer dies sei -) den Vorsitzenden der Vereinigung der Oberstudiendirektoren im Saarland (VOS) Rainer Stein-Bastuck, ins Ministerium einbestellt. Weil er zu kritisch und zu bissig war? Die VOS hatte insbesondere auf ihrer Internet-Seite, aber auch in Presseverlautbarungen, heftige Kritik an den Gymnasial- und Grundschulplänen von Bildungsminister Klaus Kessler geübt. Das fünfte Grundschuljahr ist den Oberstudiendirektoren der Gymnasien ein Dorn im Auge. Das schrieben sie auch auf ihrer Homepage. Nun ist die VOS-Webseite abgeschaltet. Stein-Bastuck hüllt sich in Schweigen, der Minister ebenfalls. Von Maulkorb ist beim SR die Rede. Auf der Webseite des Saarländischen Rundfunks heißt es: „Stein-Bastucks Stellvertreter, Gerold Fischer, erklärt gegenüber dem SR, dass die Abschaltung der Internetseite eine persönliche Reaktion des Vorsitzenden in Absprache mit dem Vorstand gewesen sei. Es habe Grund zu der Annahme bestanden, dass die Arbeit der VOS-Vorstandsmitglieder zu deren persönlichem Nachteil führen könnte.“ Das ist starker Tobak. Ein schulmäßiges Diktat. Der Grüne setzt den Disziplinar-Rotstift an, nachdem er sich schwarz geärgert hatte? Wir wissen es nicht. Wir wissen aber, dass die Direktoren auf ihrer Homepage nicht zimperlich waren. Nett war das nicht, aber wohl notwendig, um Gehör zu finden. Mit Folgen mussten sie rechnen. Mir haben sie damit imponiert. Jetzt habe ich eine kritische Informationsquelle weniger. Das ärgert mich, und so ärgere ich mich über diese Art von Kesseltreiben gegen kritische Philologen.

„Cave quid dicis, quando et cui“ sagten die Lateiner: Bedenke was du sagst, wann und zu wem. Oder auch: Sieh dich vor! Einem Grünenpolitiker darf man in Jamaika anscheinend längst nicht alles (nach-)sagen, schon gar nicht als Beamter in Führungsfunktion. Da hat man anscheinend Kuschpflicht, wenn ich das alles richtig interpretiere. Die VOS hat sich daran nicht gehalten. Sie hat laut gesagt (man kann auch sagen: sehr laut und deutlich), dass ihr der Kurs des Bildungsministers nicht gefällt. Man hat das wohl als Insubordination verstanden.

Natürlich darf eine Interessensvertretung Kritik üben. Sie muss es sogar. Und sie steht mit ihrer Kritik nicht allein. Auch die Landeselternvertretung der Gymnasien schießt. Und auch ich habe mich klar und deutlich geäußert: Was Klaus Kessler plant, ist für meine Begriffe nicht akzeptabel. Kessler legt die Axt an die Gymnasien. Er zieht Lehrer ab, er zieht Schüler ab, macht aus G8 nun G7, führt ein fünftes Grundschuljahr ein, das es bundesweit so nicht gibt, stärkt die Konkurrenz. Derweil gewinnt man den Eindruck, die Direktoren der Gymnasien würden durch die Knute des Beamtenrechts kalt gestellt. Feine Methoden sind das.

Man muss die Kritik der Direktoren nicht teilen. Gesamtschuleltern und Einheitsschullehrer sind sicher anderer Meinung als die VOS. Aber offen äußern sollten die Direktoren ihre Meinung schon, ohne dass sie gegängelt werden.

Bisher dachten wir, in Jamaika herrsche Demokratie. Stattdessen riecht es nach KLAUStrophobie. Raumangst im grünen Biotop.
Wenn dies stimmt, muss ich sagen: Was ist schon Zensursula gegen Kess(e)lertreiben in Jamaika?
Von Kuschpflicht und Maulkörben war und ist in demokratischen Verfassungen und in Koalitionsverträgen nie die Rede.

Wir werden den Fall weiter verfolgen…

1 Comment

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Alwin Theobaldreply
2. Juni 2010 at 06:27

Welch eine Lektüre am frühen Morgen:
Sehr treffend auf den Punkt gebracht.

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