Ökobewusste Schwarze und bürgerlich-konservative Grüne

Da hat das ZDF aber verdammt recht, wenn es unter der Überschrift „Ökobewusste Schwarze und bürgerlich-konservative Grüne“ meldet: „Die Bürger sind längst weiter als die Parteien, die ihre Grabenkämpfe austragen“. Ja, ich bin schwarz und ökobewusst, und ich will Nachhaltigkeit auch in der Energieversorgung. Mit meinen christlich-sozialen Grundsätzen, die auf Gerechtigkeit (auch Generationengerechtigkeit) fußen, könnte ich auch Grüner sein. Da mir aber die christlich-demokratische Grundausrichtung trotz aller faktischen Probleme immer noch näher ist als der grüne Rock will ich nun nicht das Loblied auf die Ökopartei singen. Dass die auch ihre Eigenheiten und Tücken hat, sehen wir im Saarland, aber das ist eine andere Geschichte.

Ich habe schon 1997 geschrieben: „‚Wir dürfen nicht weiter auf Kosten unserer Kinder und Kindeskinder leben. Der Eigenwert der Schöpfung und unsere Verantwortung für die kommenden Generationen verpflichten uns, die Lebensgrundlagen der Menschheit zu erhalten und die Schöpfung zu bewahren.‘ Diese Erkenntnis entspricht christlich-demokratischer Politik-Auffassung und ist so im Grundsatzprogramm der CDU verankert. Sie deckt sich aber auch mit Grundpositionen grüner Politik, die ebenso das Postulat der Solidarität mit künftigen Generationen vertritt. Wir brauchen eine neu Verantwortungsethik. Der alte Wachstumsglaube trägt nicht mehr. Produktion ist nicht mehr das Maß aller Dinge. Mit den Methoden von gestern sind die Probleme von heute nicht zu lösen. Die Zukunft liegt in dezentralen Strukturen und bürgernahen Institutionen. CDU und Grüne haben ähnliche Interessen, wenn es um Dezentralität und Bürgernähe geht.“

In Stuttgart ist das momentan etwas anders. Allerdings versucht dort mit Stefan Mappus ein Konservativer, mit den alten Machtinstrumenten ein neues Problem zu lösen: Stuttgart 21. Aber die alten Spiele laufen nicht mehr. Mappus verkennt, dass Schwarze und Grüne durchaus Bündnispartner sein können. Denn die meisten Grünen-Wählerinnen und Wähler sind Kinder des Bürgertums. Beide Parteien könnten profitieren, wenn die Grünen links von der Mitte und die Schwarzen in der Mitte und rechts davon Stimmen sammelten.

Deshalb ist es ein bisschen unverständlich, dass die Protagonisten aus dem schwarzen und dem grünen Lager im #S21-Streit so blindwütig verbal aufeinander eindreschen.

Das ZDF hat recht: „“Die Bürger sind längst weiter als die Parteien, die ihre Grabenkämpfe austragen“.

 

2 Comments

Join the discussion and tell us your opinion.

Goboldreply
10. Oktober 2010 at 23:09

Ernstgemeinte Frage: Wo genau strebt die CDU dezentrale Strukturen an? Mappus/Rech haben Rückendeckung von Merkel, wer was dagegen sagt, kriegt deshalb die Keule von oben. Sieht für mich nicht sehr dezentral aus.

Okay, das wird hier ja auch als Beispiel genannt, wie es nicht laufen soll, aber umgekehrt fällt mir kein Beispiel ein, bei dem die CDU sich für dezentrales stark gemacht hätte.

Anderes Beispiel: Wieso ist unser Bundesland nach etlichen Jahren CDU-Regentschaft (immer noch) dasjenige mit den höchsten Hürden für Volksentscheide? Ganz klar, damit die Macht möglichst zentral beim Ministerpräsidenten bleibt. Auch nicht gerade ein Beispiel für Dezentralität.

Sorry, mir fällt nix ein und ich bitte ernsthaft um Beispiele und Erklärungen.

illiconvalleyreply
20. Oktober 2010 at 18:22
– In reply to: Gobold

Wir im Illtal streben dezentrale Energieversorgungsstrukturen an.

Leave a reply