Frauen-Power, Frauen-Skills – Macht und Einfluss durch Strategie und Mammis Mammon

“Frauen können mit der Spannung zwischen Tradition und Fortschritt besser umgehen als Männer. Sie denken mehr in Kreisläufen.” Das schrieb Eckhard Fuhr, der Kulturchef der Zeitung “Die Welt”. Was dafür spräche, dass wir in Zukunft keine Quoten mehr brauchen, weil die Frauen ohnehin mehr Chancen als Männer in der Umbruchsphase zwischen Postmoderne und Moderne haben, wo es um Kreisläufe und ganzheitliches Denken geht. Das ist die Theorie.

Aber die Praxis sieht ganz anders aus: Noch immer werden Frauen benachteiligt  oder nicht ernst genommen. Vor allem in den Dax-Konzernen sieht es katastrophal aus, wenn es um den weiblichen Anteil in Führungspositionen geht. Männer beherrschen die Reviere – und machen sie oft genug platt. Zurück bleibt oft genug ein zertrampeltes Kampffeld, auf dem nichts mehr wächst.

Aber nicht nur die Dax-Konzerne sind Kampfplätze der Platzhirschmentalität männlicher Führungskräfte. Auch in den KMUs pflegen Herren der Schöpfung ihre Brunftrituale. Und das ist schlicht schlecht. Und unklug obendrein.

Alexandra Graßler (@wissensagentur) sagt: Die Welt wird weiblich. Sie hat in einem sehr anregenden Gespräch darauf hingewiesen, dass Frauen kein gesteigertes Interesse an diesen Ritualen der Männer in Wirtschaft und Politik haben – was dafür spricht, die Unternehmenskulturen radikal zu verändern. Denn auf die Klugheit der Frauen, ihre emotionale Intelligenz, ihre Fähigkeit, Netzwerke zu knüpfen, können wir nicht länger verzichten. Es ist Zeit für den Wandel.

„Die Welt wird weiblich“, heißt es in einer Studie des Grey-Instituts. Ihr Befund: „Weibliche Werte erobern die Welt, und die nächsten 150 Jahre werden davon beeinflusst werden. Vor allem handelt es sich um typisch feminine Eigenschaften wie Kommunikation, Emotionalität, Intuition oder Empathie.“ (W&V) Die Politik profitiere von weiblichen Skills und Werten, und in Unternehmen seien Frauen in Spitzenpositionen umsatzfördernd. Untersuchungen zeigten, dass Betriebe mit einem besonders hohen Frauenanteil im Vorstand in den USA um 53 Prozent mehr Profit erwirtschafteten. Fazit: „Wenn Männer und Frauen auf Augenhöhe zusammenarbeiten, ergänzen sich ihre Skills und erreichen ein höheres Level.“

Die Auffassung vertritt übrigens Gertrud Höhler schon lange. „Aufstieg für alle“ heißt für sie auch und vor allem Aufstieg für Frauen. „In der Krise werden Wunder weiblich“. Kein Wunder, dass selbst in der CSU jetzt ernsthaft über die Quote diskutiert wird. „Frau sind krisenresistenter als Männer“, schreibt sie. „Ihr Pragmatismus schützt sie vor Analysen, die nach Schuldigen suchen. Nicht rückwärts bewerten, sondern vorwärts denken und handeln, das fällt Frauen leichter.“

Ganz aktuell und spannend ist die neue Freitagsbeilage der Süddeutschen Zeitung unter dem Motto: „Yes she can“: „Die Revolution ist in vollem Gang, es merkt nur keiner. Frauen übernehmen die Macht, leise, unaufgeregt, unaufhaltsam.“

Für Meike Winnemuth liegt die Chance der Frauen nicht im Charmefaktor, sondern im schnöden Mammon begründet: Mammis Mammon bringt Macht und Einfluss. Winnemuth spricht von einer der erstaunlichsten Revolutionen der letzten 50 Jahre, einer „seismischen Verschiebung, die schon in wenigen Jahren zu einem Erdbeben führe könnte: „Weltweit verfügen Frauen heute über Einkommen von insgesamt 13 Billionen Dollar – in nur fünf Jahren werden es schon 18 Billionen sein – und damit über eine Wirtschaftsmacht, die mehr als doppelt so groß ist wie die Chinas und Indiens zusammen: „der größte Wachstumsmarkt in der Geschichte des Planeten“, wie Michael Silverstein von der Boston Consulting Group sagt.“

Das lässt aufhorchen – national und lokal.  Denn auch dort wird der Einfluss der Frauen wachsen. Möglicherweise müssen wir unsere Zukunftsplanungen erheblich revidieren, wenn  die Frauen mehr Einfluss, mehr Gestaltungsmöglichkeiten und mehr Macht haben.

Im Illtal sind wir auf einem guten Weg.

In Illingen haben zwei Frauen als Architektinnen Maßstäbe bei Kindertagesstätten gesetzt: Eva Steinebach – aufgewachsen im Illtal, heute mit Büro in Kaiserslautern -, hat das wunderschöne Haus der Kinder in Hüttigweiler geplant, das von der Kleinstkindbetreuung in der Krippe bis zur Ganztagsgrundschule alles unter einem Dach bietet. Claudia Hiery hat ebenso überzeugend und noch stärker ökologisch akzentuiert den Neubau beim evangelischen Kindergarten Uchtelfangen für Krippe und Ganztagsbetreuung geplant. Frauen planen anders als Männer – offensichtlich auch ganzheitlicher, intuitiver – und trotzdem (oder gerade deshalb) auch praktischer. Gender Planning ist ein Thema, das uns in den nächsten Jahren noch stärker als bisher beschäftigen wird.

Aber natürlich geht es auch um Karrierechancen und faire Bezahlung: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

In der Gemeindeverwaltung Illingen sammeln Frauen wie Cordula Ogrizek, Elke Schleppi, Brigitte Adamek-Rinderle, Doris Mittermüller,  Gabi Steuer und Annette Ladewig Preise und Anerkennung für ihre Projekte und Programme. Frauenpower dient allen, übrigens auch den Männern. Vor allem aber den Bürgerinnen und Bürgern. Gemeinsamkeit macht stark. Männer und Frauen sollten in gemischten Teams kooperieren. Das verspricht die größten Erfolge.

Auf Landkreisebene sind die Frauen weiter auf dem Vormarsch. Nach den CDU-Landrätinnen Monika Bachmann und Daniela Schlegel-Friedrich ist jüngst SPD-Frau Cornelia Hoffmann-Bethscheider zur nächsten Landrätin des Kreises Neunkirchen gewählt worden. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.

1 Comment

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Alexandra Graßlerreply
25. Oktober 2010 at 12:21

Hab grad deinen Beitrag entdeckt und möcht dir einfach danke dafür sagen, dass du das Thema aufgreifst. Hab mich sehr gefreut, dass du mich mit einem Zitat mit dazu hast beitragen lassen.

Für mich braucht es eine neue Zeit der Menschlichkeit. In Führungspositionen, bei Entscheidungen, in unserer aller Umfelder. Und eine Hinbewegung auf weibliche Prinzipien. Nicht weil der weibliche Weg besser wäre, sondern weil wir uns – für meine Begriffe – viel zu sehr auf einem einseitigen männlichen Weg begeben haben. Der im Laufe der Jahre von kraftvollen Stärke zu einem harten Gegeneinander pervertiert wurde.

Es braucht einen Ausgleich, eine Annäherung, eine gemeinsame Richtung in der weibliche wie auch männliche Stärken ihre ureigenste schöpferische Kraft entfalten können. Das mag sich jetzt vielleicht alles etwas poetisch anhören, doch im gelebten Leben kennen wir alle den Unterschied. Alles extreme tut uns nicht gut. Niemanden von uns.

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