Brauchen Kommunen Local Social Media?

Nein, die meisten deutschen Kommunen sind nicht begeistert von Facebook, Twitter und anderen Social-Media-Aktitiväten. Sie haben schon Probleme, die eigeneHomepage zu pflegen. Meine eigene Gemeinde schließe ich dabei nicht aus. Der klassische Verwaltungsapparat ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass er in den sozialen Internetmedien einen Mehrwert entdecken würde. Und überhaupt haben wir viel zu wenig Geld, viel zu wenig Personal, viel zu wenig Know How. Sagt man. Ich halte dies für eine Schutzbehauptung. Dass Local Social Media nicht funktioniert, hängt aber auch mit simplen Missverständnissen zusammen.

Aber der Reihe nach. Das erste Missverständnis beginnt bei den Zuständigkeiten. Zuständigkeiten sind für jede Behörde ein zentrales Thema. Wer nicht zuständig ist, ist nicht verantwortlich und muss sich nicht kümmern. Und wenn jemand zuständig ist, dann am besten die EDV. Weil es ja etwas mit Internet ist. Es ist allerdings albern, die EDVler als Techniker für die Inhalte der Internet- und Webauftritte verantwortlich oder einfach nur zuständig zu machen. Social-Media-Aktivitäten sind Kommunikation. Und Kommunikation ist eine zentrale Aufgabe der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die in der Regel beim Bürgermeister oder beim Hauptamt angesiedelt ist. Wir werden unsere Auftritte deshalb spürbar verändern. Und wir werden die Kommunikativen dafür zuständig machen.

Das zweite Missverständnis betrifft die Kosten für den Social Media Auftritt: die sind keineswegs exorbitant. Das Gegenteil ist der Fall. Wer twittert kann dies immer und überall zu minimalen Kosten. Man braucht kein großes Equipment dafür – nur die Fähigkeit, schnell und pfiffig und in wenigen Zeichen zu kommunizieren: Das Wichtigste auf den Punkt bringen. Bei Twitter hat man für schnelle Infos 140 Zeichen, bei Facebook 420. Mikroblogging nennt sich das Ganze. Unternehmen nutzen Twitter, um Produktinformationen bereitzustellen und mit ihren Kunden zu kommunizieren. Nichts spricht dagegen, dass Kommunen dies auch tun. Man kann sogar Geld damit und dabei sparen. Das dient allen.

Durch den extremen Kurznachrichten-Charakter ist Twitter oft schneller als etablierte Medien, etwa beim Aufstand in Teheran oder beim Loveparade-Unglück in Duisburg.

Facebook läuft den übrigen Mikoblogging-Diensten aber zunehmend den Rang ab, weil es umfassender, flexibler und optisch attraktiver ist. neben Status-Meldungen können Fotos, Videos, Links, umfangreiche Notizen, persönliche Profile, Vorlieben und aktuelle News veröffentlicht werden. Die Marketing-Möglichkeiten werden immer umfangreicher und umfassender.

Dass es sich lohnt auf Facebook aktiv zu sein, beweist die Stadt Münster auf ihrer Facebook-Seite http://www.facebook.com/stadt.muenster .

Mein erstes Zwischenfazit. Ja, Kommunen brauchen Local Socia Media. Das ist kein Kommunikationsmedium der Zukunft, sondern der Gegenwart. Es ist höchste Zeit, dass sich die Städte und Gemeinden diesem Thema stellen. Wir werden unverzüglich mit der Schulung beginnen.

1 Comment

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Jörg Aumannreply
27. Januar 2011 at 06:13

Armin bringt’s auf den Punkt.

Wir haben in Neunkirchen übrigens seit einigen Wochen eine Online-AG, die beim Hauptamt – Abteilung Öffentlichkeitsarbeit – angesiedelt ist und sich genau mit der Thematik beschäftigt. Und nicht bei der EDV 😉

Es geht auch um mehr als Local Social Media. Wie ist die Kommune – und ihre Einrichtungen, in Neunkirchen beispielsweise der Zoo – bei Wikipedia, anderen Lexika, oder auf speziellen Themenseiten dargestellt? Stimmen die Infos (noch)? Letztes Jahr kamen lange nach der „Körperwelten der Tiere“-Ausstellung immer noch Besucher in den Zoo („haben im Internet von der Ausstellung gelesen…“), weil auf irgendwelchen Klon-Seiten die Infos nicht gepflegt wurden.

Aber es ist eine relativ neue Form der Kommunikation, und wer sie nicht nutzt, verliert. Die Frage „Ob“ stellt sich nicht, sondern nur das „Wie“ und „Wann“, wobei die Antwort auf letztere Frage lautet: „Jetzt!“
Jörg Aumann
Bürgermeister
Kreisstadt Neunkirchen

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