In Sachen Gaschke – sie war einfach dilettantisch und beratungsresistent

Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung

Die Kieler Ex-Oberbürgermeisterin sieht sich als Musterbeispiel dafür, dass ein Quereinstieg vom Journalismus in die Politik nicht funktioniert? So ein Unsinn! Es gibt viele positive Beispiele, dass gerade dieser Quereinstieg funktioniert und kreatives Handeln ermöglicht. Die Bundestags- und Kabinettsbiografien sprechen eine beredte Sprache. Ich bin seit 17 Jahren hauptamtlicher Bürgermeister der saarländischen 17.000-Einwohner-Gemeinde Illingen, als erster saarländischer Verwaltungschef dreimal direkt gewählt, Mitglied im Präsidium des Städte- und Gemeindetags. Zuvor war ich Redakteur bei der Saarbrücker Zeitung und beim Saarländischen Rundfunk.

Noch immer darf ich sagen und schreiben, was ich denke, noch immer darf ich mich politischen Ritualen verweigern oder „Spiele mitspielen“ – ich muss halt die Konsequenzen bedenken.

Ich freue mich, dass ich seit 17 Jahren aktiv gestalten und nicht nur verwalten darf, sogar in bundesweiten Modellprojekten (Demografie, Bürgergemeinde). Dazu braucht man allerdings Bündnisse, Netzwerke, Berater, Fraktionen, Vertraute in Politik und Gesellschaft und vertrauenswürdige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die einem sagen, was geht und was man besser unterlässt. Mit Spielen hat dies nichts zu tun. Es ist nur eine Frage der Professionalität. Politik ist ein Beruf, wie wir seit Max Weber wissen, kein Feld für Dilettanten.

Susanne Gaschke war einfach nur unprofessionell und beratungsresistent, und offensichtlich ist sie es noch immer. Gaschkes „Zeit“-Artikel hatten mehr Niveau als ihre Rücktrittserklärung. Schade eigentlich um ihren administrativen Dilettantismus.

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