Leerstandsmanagement eines der erfolgreichsten Instrumente im demografischen Wandel

Das Illinger Leerstandsmanagement ist eines der erfolgreichsten Instrumente im demografischen Wandel.
Wir reden nicht nur über Demografie-Management, wir betreiben es auch mit Erfolg.
Natürlich haben die Melanie-Projekte dabei eine ganz wesentliche Rolle gespielt.
Beginnen wir beim Klassiker, den Leerständen, die uns ja erst auf die Demografie-Schiene gebracht haben. Begonnen haben wir mit 81 Leerständen, zwei Jahre später waren es mit 105 leeren Häusern schon 29 Prozent mehr. Wir haben 2004 mit unserem Leerstandsprogramm begonnen, haben das Abrissprogramm „Platz da!“ auf den Weg gebracht und haben dafür gesorgt, dass wir die Leerstände 2008 auf 1,3 Prozent des Wohngebäudebestands drücken konnten. Im Mai 2008 hatten wir mit 77 leeren Häusern den niedrigsten Stand. Nachdem wir die Leerstände 13 Jahre lang gezählt haben, können wir feststellen: Es gibt keine Gesetzmäßigkeiten auf diesem Gebiet. Die Fluktuation auf diesem Gebiet ist hoch, die Zahl der potenziellen Leerstände steigt aber, so wie wir dies 2004 vorausgesagt haben. Um so wichtiger war und ist es, Hausbesitzer zu sensibilisieren, Abrissmaßnahmen zu unterstützen und jungen Familien zu helfen. Dank dieser Aktivitäten konnten wir die Leerstände auf dem Stand von 2007 halten. Hätten wir eine Steigerung von 20 Prozent erlebt, müssten wir heute mit mehr als 200 Leerständen leben. Stattdessen sind es gerade einmal 109, also 1,83 Prozent. Von diesen Häusern werden vermutlich – so die Erfahrungen der letzten Jahre – viele auf den Markt kommen. Die Zahl der langjährigen Leerstände ist mit 38 erstaunlich niedrig und entspricht einer Quote von 0,64 Prozent. Das liegt weit unter dem Saarland-Durchschnitt und noch immer unter dem Bundesschnitt. Unser Leerstandsmanagement zeigt Wirkung und macht Illingen trotz des demografischen Wandels attraktiv.
Da wir uns entschieden haben, keine Neubaugebiete in Außenbereichen mehr zuzulassen, war dies zunächst ein Nachteil. Es wird aber in den Folgejahren ein großer Vorteil sein, weil wir die Innenentwicklung massiv gestärkt haben, wie ich in meinen Ausführungen belegen werden. Mit dem Melanie-Baustein „Zuschuss zur Wiedernutzung“ – alte Häuser für junge Familien – haben wir mittlerweile 32 Hauskäufe gefördert. Allein von unserer Seite sind 105.000 Euro gezahlt worden. Wenn man davon ausgeht, dass man mit einem Zuwendungsbeitrag von 3.000 Euro einen Hauskauf von 60.000 Euro unterstützt – also sehr niedrig angesetzt, dann haben wir mit diesem Programmteil über 2 Millionen Euro an Wohnungsinvestitionen für junge Familien in Illingen im Innenbereich gefördert. Wir haben damit Leerstände verhindert oder vermarktet, die Kaufkraft im Innenbereich gestärkt und sozial faires Demografie-Management auf den Weg gebracht, das die Ortskerne wieder attraktiver macht.
Und schließlich ist der Erfolg von „Platz da!“ zu nennen. Mit 18 Zuschüssen von 82.000 Euro wurden 13 Häuser abgerissen, ein haus zum Teil abgebrochen, 5 Giebel nach Abbruch saniert und drei Häuser durch die Gemeinde erworben und abgerissen. Folgenutzungen hatten wir 4 Neubauten, 1 Bauantrag, 3 Voranfragen, 1 kommunale Freifläche und 1 kirchliche Freifläche. Auch hier ist von einer Investionssumme von über 1 Million Euro auszugehen.
Das zeigt: Melanie war ein Riesenerfolg. Wir haben eine systematische Leerstandserfassung auf den Weg gebracht, die Leerstände auf niedrigerem Niveau stabilisiert, fast zwei Dutzend Schandflecke und Problemlagen aus der Welt geschafft, Investitionen in Millionenhöhe angestoßen und Illingen attraktiv und spannend gemacht.
Gleichzeitig haben wir Nachhaltig ökologisch und ökonomisch sinnvoll gearbeitet. Ich war gestern in einer Gemeinde im Nordsaarland, wo von 50 Baustellen bisher 25 seit Jahren brach liegen. Das ist totes Kapital. Mit unseren Entscheidungen haben wir eine Rückbesinnung auf die City und die Ortskerne eingeleitet. Und es funktioniert ja auch. Das wir für Illingen definitiv ein Wettbewerbsvorteil sein. Schauen Sie sich die Nachbargemeinden an. Glauben Sie mir: Wir haben Zukunft weisende Entscheidungen getroffen. Und das war gut so.
Nun wird behauptet, man könne in Illingen nicht neu bauen. Das ist definitiv falsch.
Die Bautätigkeit in Illingen ist sogar sehr rege. Sie findet aber nicht im abgegrenzten Neubaugebiet – mit all ihren ökologischen Problemen – statt, sondern im Innenbereich. Und das ist strategisch richtig und wichtig.
Wir können in Illingen einen Erfolg vorwiesen, den wir alle vor Jahren nicht für möglich gehalten hätten. Es ist uns nämlich allen Unkenrufen zum Trotz gelungen, eine Vielzahl von Baulücken, die zum großen Teil durch Bebauungspläne überplant sind, in die Vermarktung zu bringen. Ohne den Druck, dass keine Neubaugebiete in Außenbereich mehr entwickelt werden könne, wäre dies nicht möglich gewesen. Seit September 2008 sind 65 Baulücken bebaut worden. Das ist ein mittelgroßes Neubaugebiet mit privaten Investitionen von 20 Millionen Euro. Es stimmt also nicht, dass es in Illingen keine Bau- und Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Die Zukunft liegt aber nicht außen, sondern innen.
Im Höllgelände, wo ein völlig neues Quartier entsteht. Dort werden 20 Millionen Euro entstehen, die 15 Millionen mehr Kaufkraft, tolle Wohnungen und attraktive Einkaufsmöglichkeiten nach Illingen bringen.
Und wir haben auch Vorschläge für die Ortsteile, die Entwicklungsmöglichkeiten in erstaunlichem Umfang bieten. Die Ortsräte müssen sich allerdings entscheiden – auch darüber, ob sie einen alten Hartplatz zu einem neuen attraktiven Wohngebiet machen wollen. Ob sie einen ehemaligen Dorfplatz wie in Kaisen umgestalten wollen. Ob sie den Teil eines überdimensionierten Spielplatzen nutzen wollen.
Dann können wir ohne weiteres Entwicklungsmöglichkeiten für 30 bis 50 neue Bauplätze schaffen. Dazu gehören Mut und Innovation.

Dr. Armin König

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