Illingen ist alles außer gewöhnlich

Herzlich willkommen in der schönsten Kulturpraline des Saarlandes, der Illipse. Dies ist keine gewöhnliche Kulturhalle, schon gar keine Mehrzweckhalle. Nein, dies ist ein Unikat.
Und so sind auch wir. Ein Unikat. „Alles, außer gewöhnlich“.
Das ist der Titel eines Buches von Anja Förster und Peter Kreuz, das wir hier vor ein paar Jahren in der Illipse vorgestellt haben – in der Hoffnung, dass auch unsere Geschäftsleute alles, außer gewöhnlich werden. Aber da haben wir noch ein bisschen Nachholbedarf – und Sie als Marketingleute ein gutes Geschäftsfeld.
Ein Jahr später ist dann ein Titel von Förster und Kreuz erschienen, der ganz unserer Philosophie entspricht: „Spuren statt Staub“. Sie finden dort auch Illingen mit der schönsten Kulturpraline des Saarlandes und mit Ideen, die alles, außer gewöhnlich sind: etwa mit der Illuminale, die wir mit Volkmar Neumann und seiner ACN jahrelang inszeniert haben.
Damit uns ein Licht aufgeht.
Und deshalb ist es schön, dass Sie heute hier sind. Für uns ist dies eine Auszeichnung.
Gut für die Seele.
Wir brauchen diese Streicheleinheiten auch, weil wir uns doch als erste Gemeinde dieses Landes mit Themen auseinandergesetzt haben, die sonst keiner anpacken wollte: Leerstandsmanagement.
Demografischer Wandel.
Gesund schrumpfen.
Schön altern.
Fröhlich demografieren.
Die spinnen, die Illinger, haben viele Kollegen gesagt: Bauen keine Neubaugebiete am Ortsrand mehr. Schränken sich selbst ein. Machen Abrisspolitik statt alles schön zu färben.
Nein, wir färben nicht mehr schön.
Erst wollten wir einen mutigen Slogan kreieren, um mehr Kinder zu provozieren.
„Poppen for the Future“ zum Beispiel.
Das wäre ein schöner Gag gewesen. Aber außer lächelnden Zuhörern haben wir nichts erreicht. Keine Erhöhung der Geburtenrate. Kein Babyboom.
Wenn Claims nichts taugen, muss man sie lassen, so schön sie auch sind.
Also haben wir das gemacht, was moderne Entscheider und ihre Berater tun – was gute Werber tun:
Die Wahrheit akzeptiert. Denn:
„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“, hat Ingeborg Bachmann gesagt. Und seit 2012 weiß ich, dass man damit auch Bürgermeisterwahlen hoch gewinnen kann.
Nichts beschönigen. Nichts verschweigen. Offen kommunizieren.
Und noch etwas ist wichtig.
Harald Welzer hat seinen neuen Beststeller so genannt: „Selbst denken“.
Das ist eine Grundlage unserer Arbeit: Selbst denken und die Wahrheit sagen.
Die Menschen verstehen das. Sie hören die Fakten vielleicht nicht immer nicht gern. Aber sie lassen sich überzeugen. Und genau das ist unser Job.
Wir erleben gerade das Ende der Welt, wie wir sie kannten.
Auch das ist ein Buchtitel. Von Claus Leggewie und Harald Welzer. Aber eigentlich ist es die Abwandlung eines Songs von R.E.M: It’s the End oft the World we Know – And I feel fine.“
Und genau dies ist der Clou. „And I feel fine“!
Ich fühle mich auch noch wohl dabei.
Weil endlich etwas in Bewegung kommt in diese starren Strukturen.
Diese Bedenkenträger, diese starren Strukturen gibt es überall. Wir müssen Sie knacken. Bürokratien knacken. Denkmuster knacken. Dann haben wir eine Chance.
Wir Illinger machen das. Nicht immer, aber immer öfter.

Selbstbewusst sagen wir:
Illingen ist eine der spannendsten Gemeinden des Saarlandes: Zukunftsort im europäischen Gemeindeverbund Creative Villages in Europe, aktive Marktgemeinde mit Mittelaltermarkt, Viehmarkt, Illinger Frühling, Jazzgemeinde mit Champions-League-Künstlern, illiptischer Kulturort – all dies sind Facetten einer vitalen Schul-, Kultur-, Markt- und Wohlfühlgemeinde. Immer öfter wollen Nicht-Illinger nach Illingen ziehen. Aber noch sind die Bauplätze rar. Der Gemeinderat hat jetzt intensiv über Entwicklungsmöglichkeiten im Innenbereich diskutiert. Das ist gut so. Ich habe dem Rat Mini-Neubaubereiche in allen Ortsteilen vorgeschlagen. Zwei Dutzend Bauplätze sind, wenn die Politik das will, innerhalb von zwei Jahren auszuweisen. Ein bisschen Mut gehört schon dazu, das eine oder andere Grundstück zum Bauen freizugeben. Aber es eröffnet zusätzliche Chancen in der Zukunft. „Ab in die Mitte“ heißt das Motto. Illingen hat fünf Kunstrasenplätze – mehr als jede andere saarländischen Gemeinde. Braucht man dann noch einen Braschenplatz, auf dem kaum noch einer spielen will? Oder darf man dort künftig toll bauen? Ich fände es prima. Mit dem Geld könnten wir Investitionen und Sanierungen in der Gemeinde finanzieren.
Wir haben dafür gesorgt, dass seit Auflage des Zukunftsprogramms „Illingen 2030“ über 50 Baulücken-Grundstücke im Wert von mehr als 3 Millionen Euro auf den Markt gebracht wurden, haben die Leerstandsquote um die Hälfte auf 1,8 Prozent gedrückt, arbeiten am Projekt Illingen-Zentrum, wo ein völlig neues Quartier mit Einkaufen, Wohnen, Markt und Dienstleistungen entsteht. Das verbessert die Kaufkraft um Millionen und macht Illingen noch attraktiver. Höll ist passé, jetzt brechen andere Zeiten im Ortskern an. Gleichzeitig erproben wir neue Formen des Wohnens der Generationen, verbinden Handel mit Einkaufserlebnissen und setzen auch mit Architektur Akzente. Ja, Illingen hatte eine Durststrecke zu überwinden. Aber jetzt herrscht Aufbruchstimmung in Illingen. Das Herz des Illtals schlägt schneller, wir bringen den Ball ins Rollen.
Und wenn dann der SR heute unseren Aprilscherz übernimmt, dass wir auf dem Höllgelände ein Lyoner-Museum bauen, wo früher Lyoner mit der Plombe hergestellt wurde, dann sagt das auch etwas aus: Das trauen die uns auch zu. Und der Witz ist: Die Aprilscherz-Idee hat sogar das Zeug, in die Tat umgesetzt zu werden.
Ja, Illingen ist eine der spannenden Gemeinden des Saarlandes.
Aber wir mussten hart arbeiten, um so weit zu kommen, zwölf Jahre lang.
Wir haben uns dabei nie verkauft, sind immer authentisch geblieben.
Ich habe im Januar in der Saarländischen Kommunalzeitschrift einen programmatischen Artikel veröffentlicht: „Wem gehört die Stadt und wer regiert sie?“
Sie gehört uns. Wir regieren sie. Wir haben das Planungsrecht. Wir: Das sind die Bürgerinnen und Bürger, die Räte und die Verwaltung. Wir alle zusammen. Wir lassen uns nicht verkaufen. Wir sind wir. Wir tragen Verantwortung. Wir müssen anpacken.
Das ist der Schlüssel der Zukunft: Gemeinsam Dinge auf den Weg bringen.
Wir haben mit dem Wiener Architekturbüro nonconform chritecten unter Roland Gruber eine vor ort ideenwerkstatt veranstaltet. Das Ergebnis: 1360 Bürgerideen.
Einfach genial.
Wir werden vieles ausprobieren.
So wie wir uns getraut haben, ein Abrissprogramm unter dem programmatischen Titel „Platz da!“ aufzulegen. Natürlich haben wir damit provoziert. Aber seither wissen die Illinger, was Demografie ist. Wir haben Transparente aufgehängt, ganz klassische Werbemethoden: „Platz da!“ Oder: „Ich werde zuerst abgerissen.“ „Ich bin als nächstes dran“. Das sitzt.
Keine rosarote Plüschwerbung, kein „Vielfalt in Schönheit“ oder „Schönheit in Vielfalt“ oder ähnlich Beliebiges.
Nein: „Platz da!“
Heute sind wir eine der erfolgreichsten Leerstandsmanagement-Kommunen in Deutschland. Unsere Leerstandsquote liegt mit 1,8 Prozent nur halb so hoch wie der Bundesschnitt. Vom Saarland will ich gar nicht erst reden.
Wir haben die Zeichen der Zeit früher erkannt und können jetzt wieder positive Schlagzeilen produzieren. Alles, außer gewöhnlich.
Das funktioniert, weil wir uns auf unsere eigenen Stärken besonnen haben.
Der Illtaler als Regionalgeld hat in den letzten sieben Jahren knapp eine Million Kaufkraft in Illingen gebunden.
Das hat uns keiner zugetraut. Wir selbst auch nicht.
Aber auch die Kulturaktivitäten sind von besonderer Güte. Die Illipse ist nicht nur die schönste Kulturpraline der Saarlandes, sondern auch eine der erfolgreichsten Konzertstätten des Landes. Wir präsentieren in den nächsten Wochen und Monaten Völkerball, Inga Rumpf und die Band von BAP, das „London Quartett“, die Danceperados, die Mukketier-Bande für Kinder, den Star-Pianisten Martin Stadtfeld und das Musical Sister Hits Act. Völkerball kommt mit einem „Tribute to Rammstein“ am 3. Mai, Cécile Verny singt am 8. Mai Blues und Jazz, „Die Schoenen“ präsentieren am 15. Mai französische und deutsche Chansons, am 18. Mai gibt in Kooperation mit dem Deutsch-Amerikanischen Institut „Flying tot he Stars – Bläsermusik aus Amerika“, und den Schlusspunkt im Mai-Programm setzt das Musical „Sister Hits Act“ am 31. Mai.
Und als einzige Kommune im Südwesten haben wir einen Artist in Residence, eine Art Stadtschreiber in Sachen Jazz: Roman Wasserfuhr.
Er gibt hier vier Konzerte in diesem Jahr, ist eine Bank. Dazu kommt die Creme de la Creme des jungen deutschen Jazz nach Illingen.
Kultur ist tatsächlich ein Ausrufezeichen für Kommunen.
Wir besetzen Nischen. Wichtig ist Kontinuität. Wir machen das jetzt seit zehn Jahren. Jetzt sind wir endlich etabliert. Und wir feiern es. Mit guter Laune und guter Musik.
Ich könnte Ihnen noch viel erzählen von Illingen. Aber will Ihnen nur Appetit machen auf mehr.
Hier ist Frühling, hier ist Leben. Illinger Frühling eben! Mit Gefühl.
Ich hoffe, Sie fühlen sich hier wohl.
In der schönsten Kulturpraline des Landes.
Aber eines möchte ich Ihnen noch mitgeben.
Wir erleben gerade das Ende der Welt, wie wir sie kannten.
Und wenn Jaron Lanier mit seinem großartigen Buch fragt: „Wem gehört die Zukunft?“, dann will ich mit der besten Werbung antworten, die Steve Jobs je geschaltet hat:
„An alle, die anders denken. Die Rebellen. Die Idealisten. Die Visionäre. Die Querdenker. Die, die sich in kein Schema pressen lassen. Die, die Dinge anders sehen. Sie beugen sich keinen Regeln. Und sie haben keinen Respekt vor dem Status quo. Wir können sie zitieren, ihnen widersprechen, sie bewundern oder ablehnen. Das Einzige, was wir nicht können, ist, sie zu ignorieren. Weil sie Dinge verändern. Weil sie die Menschheit weiterbringen. Und während einige sie für verrückt halten, sehen wir in ihnen Genies. Denn die, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, sind die, die es tun.“

Lassen Sie uns die Welt verändern. Wenn wir es nicht tun, tut es keiner!
Danke für die Einladung und einen happy day in Illingen. Sie haben es sich verdient.

(Grußwort beim Marketingclub Saar in der Illipse)

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