Strategien kleiner und mittlerer Gemeinden im demografischen Wandel

Die Effekte der demographischen Herausforderung werden die Art der Politik und die Schwerpunkte der Politikfelder in den nächsten 20 Jahren verändern, vor allem im lokalen Bereich. Die Bevölkerung wird älter werden und die Zahl der Einwohner wird schrumpfen. Notwendig sind deshalb neue Denkmuster, neue soziale Fähigkeiten und ein neues Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung. Dabei hilft es nichts, den Kopf in den Sand zu stecken und auf Besserung zu hoffen. Die Probleme werden nicht vorüber gehen. Stattdessen ist aktives und offensives Handeln notwendig.
Demographischer Wandel hat Auswirkungen auf Kinderkrippen, Kindergärten, Vorschulerziehung, Grundschulen, Horte zur Ganztagsbetreuung älterer Kinder, Netzinfrastruktur, Sport- und Kultureinrichtungen, Wirtschaftswachstum, Finanzen, lokale Steuereinnahmen, Stadtentwicklung, Raumplanung, ÖPNV, Mobilität, die kommunale Sozialbalance und den Einzelhandel. Es gibt praktisch keine Lebensbereiche, die nicht betroffen sind.
Ein Grund zu Panik ist dies nicht.
Aber die Politik ist gefordert, Prioritäten neu zu setzen, Gelder anders zu verteilen, Weichen neu zu stellen. Das ist unbequem, aber auch unvermeidlich.
Die Gemeinde Illingen im Saarland hat mittlerweile langjährige Erfahrung mit dem demografischen Wandel. Sie ist durch Leerstände auf den demographischen Wandel aufmerksam geworden. Eine Studierende hatte bei ihren Recherchen für die Diplomarbeit eine wachsende Zahl von Häuser-Leerständen entdeckt. Jeder hatte Notiz davon genommen, dass Häuser leer standen, aber keiner hatte die Zahl der leer stehenden Häuser und Wohnungen gecheckt. Die ersten Untersuchungen ergaben eine Leerstandsquote von 1,5 bis 2 Prozent. Das war zunächst völlig unproblematisch. Problematischer war, dass die Zahl der Leerstände beständig wuchs. Eine genauere Analyse ergab, dass die Zahl der Eigenheime, in denen nur noch Personen über 70 Jahre wohnten, um ein Vielfaches höher war.
Für die Verwaltung war dies Anlass, ein landesweit einmaliges Projekt zu starten.
Der Bürgermeister war zur saarländischen Landesregierung nach Saarbrücken gefahren, um den Ministerpräsidenten (damals Peter Müller) in Privataudienz über ein saarländisches Problem in Kenntnis zu setzen, dem sich bis dato niemand stelle wollte. Mit beim Gespräch waren Umweltminister Stefan Mörsdorf und der Chef der Staatskanzlei, Karl Rauber. Von Seiten der Gemeinde Illingen saßen Ludger Wolf (Fachbereichsleiter) Hugo Kern (Firma Kernplan) mit am Tisch.
Der Bürgermeister von Illingen sensibilisierte die hochkarätigen Runde für ein Thema, das durchaus Sprengstoff birgt. Er schlug ein Modellprojekt vor: Illingen 2030. Die Landesregierung erklärte sich zu einer umfassenden Förderung bereit.
Das war der Startschuss für ein Erfolgsprojekt, das saarlandweit seinesgleichen suchte.

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Armin König

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