Bei Anruf Kanzlerin und ein bitbürgerlicher Schreibfehler

Manchmal gibt es Schreibfehler, die zum Schreien komisch sind: So tippten meine Finger heute morgen: Liebe Mitbürgerinnen, liebe Bitbürger. Ob es an den vielen kleinen und großen Veranstaltungen des letzten Wochenendes lag, die das Ende des Sommers einläuteten? Nicht einmal die Autokorrektur hat die »Bitbürger« als falsch erkannt. Auch beim Wort »Karlsberger« schlägt das Konjunkturprogramm nicht an, und wenn ich »Wort« durch »Wirt« ersetze, reagiert die Korrektur auch nicht. Was lernen wir daraus? Irren ist maschinlich, nicht nur menschlich, und es bleibt der menschlichen Intelligenz überlassen, Bedeutungen zu erkennen, die mit maschinellen Algoritmen nicht zu erkennen sind. Wobei die Bit-Bürger ja auch digital zu verstehen wären. Vermutlich hatte die Software deshalb nichts an den Bitbügern auszusetzen. Yuval Noah Harari schreibt ja in seinem Bestseller »Homo Deus« (den man mir dankenswerterweise zum Sechzigsten geschenkt hat), dass die neuen Technologien »dem Menschen gottgleiche Fähigkeiten verleihen – schöpferische wie zerstörererische – und das Leben selbst auf eine völlig neue Stufe der Evolution heben«. Mir ist das zu hoch. Es würde schon reichen, wenn wir das Menschliche in der Vordergrund stellten.

Die IVV-Wanderung des TV Uchtelfangen bot am Wochenende vielen, vielen Wanderern die Gelegenheit, unsere schöne Heimat zu erkunden. Wer morgens in aller Frühe losmarschiert ist, konnte sich rund um den Bamsterwald und das Schwimmbad Sonnenborn an herrlichen Landschafts-Ansichten und Panorama-Aussichten laben. Und als Belohnung gab’s Kümmelweck mit Schwartenmagen oder Käsesahne mit Kaffee (40 Cent!!!), je nach Geschmack. Und die Bitbürger und Karlsberger kamen ebenso auf ihre Kosten wie die Schnitzelesser. Bei der Illinger Feuerwehr konnte man wie gewohnt Hähnchen oder Erbsensuppe preiswert kosten, gefeiert wurde auch bei der Evangelischen Kirche in Uchtelfangen – und das keineswegs karg und frugal, sondern deftig mit (hört hört) Lutherbier und Dibbelabbes und Erbsensuppe. Um all die Kilo-Kalorien der Kilo-Bits, der Urpilse und Lutherbiere zu verbrennen, bietet sich zum Sommerschlussverlauf (!) noch eine Woche lang das Freibad an. Gönnen Sie sich traumhafte Stunden in unserem heimatlichen Sommer-Sonne-Urlaubs-Pool, der den schönsten grancanarischen Pools in nichts nachsteht. Und das bei sensationellen Eintrittspreisen. Aber Montag geht’s wieder ins Hallenbad. Dem Kreistag habe ich jetzt einen offiziellen Antrag vorgelegt, ein Kreisbäderkonzept zu entwickeln und eine interkommunale Bäder-Arbeitsgruppe zu berufen. Rund die Hälfte unserer Gäste kommt von außerhalb, aber wir müssen die finanziellen Lasten allein tragen. Darüber muss geredet werden.

Natürlich muss ich zum Schluss noch über den ungewöhnlichsten Telefonanruf der letzten Woche berichten: Plötzlich war die Bundeskanzlerin am anderen Ende der Leitung: »Merkel. Guten Tag, Herr Bürgermeister.« Sie sprach mit mir über den Diesel-Brief, den ich an Sie geschrieben hatte und die Sorgen der Bürger. Sie stimme »vollkommen mit mir überein«, sagte sie, dass die Automobilindustrie Vertrauen missbraucht habe und dies durch eigene Anstrengungen wiedergewinnen müsse und dass es nicht zu Fahrverboten kommen dürfe, dass wir aber auch neue Mobilitätskonzepte bräuchten. Es war ein spannendes Gespräch, wie man es als kleiner Landbürgermeister wohl nur einmal im Leben führt. Ich war tief beeindruckt von Angela Merkels Offenheit. Sie war ganz Ohr. Wir sprachen auf Augenhöhe – oder besser: auf Ohrenhöhe miteinander. Ein großes Erlebnis.

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche, besuchen Sie das Freibad, achten Sie auf die Schulkinder, fahren Sie rücksichtsvoll und bleiben Sie uns gewogen.

Armin König

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