1000 Bürgerbriefe – Über Edis und Reden und emotionale Momente eines Langzeit-Bürgermeisters

Fragt meine Frau: Wie viele „Edis“ hast eigentlich bis jetzt geschrieben?
Edis sind die wöchentlichen Amtsblatt-Briefe an die Bürger, die Editorials.
Wie viele Edis ich bis jetzt geschrieben habe?
Es müssten inzwischen an die 1000 sein.
Das wäre doch eine richtige Gemeinde-Chronik, wenn man die Besten zusammenstellt… – meint sie.
Ich bin aber nicht der Sammler, der das alles dokumentiert und archiviert und abheftet. 1000 Edis…
Es sind Momentaufnahmen.
Manchmal auch Momentkunst.
So wie die Grußwörter für die Aktion Palca oder Wustock.
An Silvester werde ich wohl meine 400. Trau-Rede halten.
Jede ein Original, jede ein Unikat.
Am Liebsten sind mir die ganz persönlichen Reden, wenn die Brautpaare mir ihre Geschichte erzählt haben. Das passiert in 95 Prozent aller Fälle.
Und alle Reden habe ich selbst geschrieben.
An den meisten Reden feile ich bis zur letzten Minute.
Weil nicht nur die Wörter und die Sätze und die Argumente stimmen müssen, sondern auch der Rhythmus. Und die Dramaturgie.
Das gilt natürlich auch an Fastnacht, wenn sich die Verse reimen.
Niemals schleimen.
Spontan Strophen komponieren.
Attacken parieren.
Kommunizieren.
Die Elferräte kennen das von den legendären Rathausempfängen und den Sessionseröffnungen.
Kommunikation ist der Schlüssel.
Man findet eine Wellenlänge, einen Draht – oder auch nicht.
Manchmal spürt man Blei in der Luft.
Bei manchen Gemeinderatssitzungen war das so.
Und bei Podiumsdiskussionen in vermintem Gelände.
Globus-Debatte, Grubenwasser – da fahren die Gegner schwere Geschütze auf.
Dann muss man sich wappnen, damit man nicht
auf die Mütze
kriegt.
Aber spannend ist das.
Weil man die Chance hat, Menschen zu begeistern, zu überzeugen, zu berühren.
Für mich sind Reden im Wortsinn die Königs-Disziplin.
Und Edis.
1000 Edis.
Ich hoffe, ihr lest sie mit Interesse.
So wie diese Facebook-Glossen.
Danke dafür.
Ich fühle mich geehrt.
Und ziemlich unbeschwert…
Schönes Wochenende…

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