Ehren-Brandinspekteur Werner Thom in die Alterswehr verabschiedet

Es war ein außergewöhnliches Ereignis: Dass ein Ehrenamtler mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet wird, kommt nicht einmal alle Schaltjahre vor. Die Ehre des Zapfenstreichs wurde jetzt dem langjährigen Brandinspekteur Werner Thom zuteil. Eingeladen hatte Bürgermeister Dr. Armin König, der auch die Laudatio hielt.

Seine Rede:

„Wie soll man eine Laudatio auf Werner Thom halten?
Ganz klassisch?
Etwas launiger, weil er ja hier zu Hause ist und wir ihn und seinen Weg vom Feuerwehrmann bis zum Brandinspekteur seit vielen Jahren kennen? Und weil wir IHN so kennen?

Ich habe mich für die zweite Variante entschieden. Aus Gründen.

Eines ist gewiss. 
Werner Thom ist ein Schwergewicht unter den Brandinspekteuren gewesen. 
Ich darf das sagen, weil ich ihn seit vielen Jahren ebenso gut kenne wie Peter Altmaier. Mindestens. 

Und was evident ist, kann man auch offen kommunizieren. 

Wir haben hervorragend mit Werner zusammengearbeitet, deshalb bin ich als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde sicher ein bisschen befangen. 
Aber ich bin es auch wieder nicht, weil er mir immer offen seine Meinung gesagt hat. 
Das hat es so leicht gemacht, Vertrauen zu schaffen. 
Wir konnten uns immer aufeinander verlassen.
Und das ist im Brandschutz fundamental. 
Ich würde dich mit fünf Schüsselbegriffen charakterisieren. 
Menschlich. Kompetent. Konsequent. Kooperativ. Durchsetzungsfähig. 
Davon haben wir alle profitiert. 
Menschlich. Familienmenschen, die in einer Gemeinschaft leben, die teilen können, die Kompromisse schließen, haben einen ganz besonderen Zugang zu ehrenamtlichen Funktionen. Und wenn man ständig von vier Frauen umgeben ist, hat das eine besondere kommunikative Qualität. Da ich euch alle kenne, bin ich mir sicher, dass dir diese Qualitäten sehr zugute gekommen sind. 
Kompetent. Du bist Feuerwehrmann von der Pike auf. Du hast mit viel Fachwissen und praktischen Einsatzerfahrungen sowie mit den beruflichen Erfahrungen beim Höll die idealen Voraussetzungen gehabt, um Verantwortung zu übernehmen. Du bist 1966 zur Jugendwehr gegangen, wurdest 1970 in die aktive Wehr übernommen und am 11. August 1980 zum stellvertretenden Wehrführer gewählt worden. Ich war gerade zweieinahlb Jahre Bürgermeister, als Du zum ersten Mal zum Wehrführer gewählt wurdest. Das war am 28. Februar 1999. Du war der erste Wehrführer, den ich wirklich intensiv wahrgenommen habe. Da habe ich schon ein bisschen von Feuerwehr verstanden. Sechs Jahre später kannte ich schon sehr viele Geheimnisse und Interna. Da wurdest Du wiedergewählt. 
Mit einem weinenden und einem lachenden Auge habe ich dann aufgenommen, dass Du im Dezember 2006 zum Brandinspekteur gewählt wurdest. Für uns Illinger und für den ganzen Kreis war dies ein Glücksfall. Es gab drei Themen, die uns dann jahrelang begleitet haben, bei denen wir gemeinsam dicke Bretter gebohrt haben, ich habe dies zum Teil durch kritische Presseberichte begleitet, die der Landesregierung nicht immer gefallen haben: Digitalfunk, Rettungsleitstelle und Drehleiter-Finanzierung. In allen Fällen waren wir erfolgreich. Das waren große Leistungen. Und dass wir jetzt in Rekordzeit eine Drehleiter neu anschaffen können, ist vor allem Dir als Brandinspekteur und der Überzeugungsarbeit beim Landrat und beim Kreistag zu verdanken. Tausend Dank, lieber Werner, das ist unbezahlbar. 
Damit wären wir auch bei der Schlüsselqualifikation „Konsequenz“. Ich weiß nicht, in wie vielen Versammlungen und Grußworten wir beide diese Themen angesprochen haben. Manche Feuerwehrleute haben gedacht: Ja lass die nur erzählen. Aber wir haben das durchgekriegt. Mit dem Bohren dicker Bretter ging es dann, beim Thema Rettungsleitstelle haben wir uns auch mit Christian Petry zusammengeschlossen und interveniert. Und siehe da: Auch diese unendliche Geschichte wurde zu einem guten Ende geführt. Mich macht das glücklich. Weil es zeigt, dass man mit langem Atem und Konsequenz viel erreichen kann. 
Kooperativ. Wir hatten immer den direkten Draht. Ich fand das echt großartig. Da hoffe ich jetzt, dass auch Michael Sieslack diesen Kontakt zu uns hält. Wir sind ja zusammen in einer Feuerwehrkooperation und wir leben die auch mit unseren Nachbargemeinden Schiffweiler und Merchweiler. Lieber Michael: Die Tür ist geöffnet. Kooperation hilft allen. Bei der Gelegenheit darf und will ich natürlich auch Sven Haben und Markus Volz nennen, die genau diesen direkten Draht immer garantiert haben. 
Durchsetzungsfähig. Niemand soll sich vom gemütlichen Äußeren des bisherigen Brandinspekteurs Werner Thom blenden lassen. Er kann auch anders. Und das hat er oft genug bewiesen. Aber das ist in einer Führungsposition – der Spitzenposition des ehrenamtlichen Brandschutzes im Landkreis – auch unverzichtbar. 
Ich habe ihn auch privat kennengelernt, etwa bei einer nächtlichen Fackelwanderung im verschneiten Schwarzwald. Mir war das schon ein bisschen unheimlich. Da waren so viel Frauen um uns. Deshalb habe ich mich – es war um die Fasnetzeit – schon ein bisschen vor Hexentreiben gefürchtet. Werner war da unerschrocken. Er hat sich vor Gespenstern nicht gefürchtet. 
Wir sagen heute: Hut ab. Das waren tolle Feuerwehrjahre. 
Du bist ein großartiger Vertreter des Ehrenamts. 
Du bist immer dagewesen, wenn wir Deine Hilfe gebraucht haben.
Du warst den Landräten und der Landrätin ein sehr guter Berater und hast ihnen das beigebracht, was Bürgermeister vom ersten Tag ihrer Amtszeit an wissen – sollten oder müssen und immer sehr schnell lernen. 
Du hast mit Deinem Lächeln, Deinem Lachen manchem Konflikt die Spitze genommen. 
Dein Humor ist ansteckend, manchmal war es auch Galgenhumor. Das hat mir immer gefallen. 
Du hast gelernt, dass Digitalisierung nicht auf Knopfdruck funktioniert, sondern jahrelang vorbereitet werden muss. 
Du bist kritischen Fragen nie ausgewichen. Aber Du hast mir immer den Rücken gestärkt und nie Dein Fähnchen in den Wind gehängt, auch wenn das manchmal einfacher gewesen wäre. 
Dein großer Wunsch war es, noch den Spatenstich fürs neue Illinger Feuerwehrhaus als Brandinspekteur mitzuerleben. Wir hätten dies gern ermöglicht, aber da gab es den merkwürdigen Beschluss, alles parallel zu machen statt nacheinander. Aber auch das wird jetzt. Wir haben die richtigen Beschlüsse gefasst. Jetzt wird die Planung auf den Weg gebracht.  
Natürlich laden wir Dich zum Spatenstich in Deinem Löschbezirk ein. 
Du warst und bist immer Illinger geblieben. Einer von uns. Einer für uns. Einer für alle. 
Ich sage im Namen aller Wehrleute, der ganzen Gemeinde und der Bevölkerung Danke an einen vorbildlichen Feuerwehrmann. 
Genieße den Ruhestand als Familienmensch. 
Lass es Dir gut gehen und bleibe uns auch in der Alterswehr gewogen. 
Danke Werner und Gut Wehr. 
Wir sind stolz auf Dich.“

Fotos: Keller.

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