ZF in der Krise, Trumps Mega-Zölle als existenzielle Gefahr für den Stahl, Wolfspeed abgesprungen – Wirtschaftsminister Jürgen Barke bleibt trotzdem optimistisch

Trotz Sturmwolken: Barke bleibt optimistisch
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6.8.2025
EinFoto mit dem saarländischen Wirtschaftsminister Jürgen Barke in einem Sitzungssaal
Foto Armin König
– Ein kommentierender Bericht und Fotos von Armin König –

ZF in der Krise, Trump Mega-Zölle als existenzielle Gefahr für den Stahl, Wolfspeed abgesprungen – das Saarland steckt wirtschaftlich in unruhigen Zeiten. Doch beim Sommergespräch mit Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) dominierte der Optimismus. Es war, als hätte der Segler Barke mitten auf einem großen See geankert – bei sanfter Flaute, leichtem Wellengang und Sonnenschein. Wir Journalisten durften mit dem Segler in der Sonne plaudern, nachdem Barke 40 Minuten lang erzählt hatte, warum er so optimistisch ist. In Berlin geht es in solchen Gesprächen weniger sanft zu. Aber das Saarland ist eben ein richtiges Gärtchen.

Denn alles wird gut – wenn alles so läuft, wie sich der Minister und sein Team das vorstellen. Fast alles. Die Krisensymptome hat er natürlich nicht heruntergespielt, schon gar nicht beim Stahl. Da setzt man auf einen Stahlgipfel, der den Durchbruch bringen soll. Der sei zwingend notwendig. Da werde er nicht lockerlassen. Erwartungsgemäß war auch die Frage nach Sonderkontingenten beim Stahlexport in die USA ein Thema. Das müsse nachverhandelt werden. Das habe man Bundeskanzler Friedrich Merz beim Saarland-Besuch eindringlich geschildert.

Ein weiteres Megathema: Grüner Wasserstoff für grünen Stahl, notfalls für eine Übergangszeit auch mit französischem Atomstrom, den die EU ja als grün deklariert hat, während die Wissenschaft ihn als rot oder violett bezeichnet (Risiken; radioaktiver Langzeitstrahlung). Bei Barke klingt das dann so: „Pragmatismus bei Farben des Wasserstoffs statt Ideologie“. Weiter sagte er erläuternd: „Wenn die CO2-Belastung die größte Herausforderung für den Planeten ist – was ich nicht infrage stelle –, dann müssen wir die Industrieproduktion über CO2-freie Herstellungsverfahren aufrechterhalten.“
Und die auch »grünen Leitmärkte (z.B. „grüne Schiene“ – Vergaberechtsvorgaben) – forderte er »nachhaltig ein«.

Barke sprach sich dafür aus, „dass der Wahlkampfmodus in der Wirtschaftspolitik aufhören“ müsse. Und erinnerte daran, dass man »ganz dringend den Industriestrompreis brauche«. Katherina Reiche habe in den ersten 100 Tagen viel Ordnungspolitisches gesagt. Jetzt müsse der Prozessmodus beginnen. Auf Deutsch: Jetzt müsse gerackert werden. Schluss mit Unsicherheiten. Der Koalitionsvertrag mit dem Investitions- und Innovationsbooster müsse jetzt umgesetzt werden. Es gebe massive Konsum- und Investitionszurückhaltung.

Ungewöhnlich harte Kritik äußerte der Minister an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: Der Zoll- und Handels-Deal mit Donald Trump gehe zulasten der deutschen Stahlindustrie. Die Bundesregierung müsse stärker gegensteuern. Eher sanft war die Kritik an Katherina Reiche. Sie habe sich bislang mit den falschen Themen befasst. Da erwarte ich intensivere Anstrengungen«.

Im Saarland selbst hat man hohe Ziele, große Visionen und Programme.

Im Saarland selbst hat man hohe Ziele, große Visionen und Programme.
Da ist zum Beispiel die neue Zukunftshoffnung: die Pharmaindustrie. In zehn Jahren soll Pharma im Saarland in einem Atemzug mit Stahl und Automotive genannt werden – so die Vision von Barke. Schon heute gebe es 240 Unternehmen aus dem Pharma-Bereich im Saarland.
Die Vetter-Ansiedlung auf dem Ford-Gelände ist für Barke eine Initialzündung: 10.000 Arbeitsplätze – dank Vetter Pharma und den jetzt schon existierenden Jobs. Rund um Vetter soll sich ein Pharma-Industriepark entwickeln. Außerdem nannte Barke den Pharmacampus in Schiffweiler. Die Forschung spiele eine fundamentale Rolle. Barke nannte hier insbesondere das HIPS: Das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland kombiniert moderne Ansätze der synthetischen und naturstoffbasierten Wirkstoffforschung mit innovativen Wirkstofftransport-Strategien, um neue Antiinfektiva zu entwickeln.
Auch das DFKI, das CISPA und andere Forschungsinstitute spielten eine wichtige Rolle.
»Für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Saarland müssen wir die Voraussetzungen stärken«, sagte Barke. »Wir müssen der innovativste Standort in Deutschland werden.«
Millionenprogramme zur Innovations- und Mittelstandsförderung sollen den nötigen Schub bringen. Die Mittelstandspolitik bezeichnete Barke als die »DNA unseres Hauses«, des Wirtschaftsministeriums also.
Aber: Die Unternehmen müssten sich auch weiterqualifizieren und bereit sein zum Forschungstransfer sowie zur Kooperation mit Zukunftsbranchen.
Eine enorme Entwicklung nehme derzeit der Rüstungsbereich im Saarland. Hier seien Diehl und KNDS die Aushängeschilder und Motoren. Das Saarland sei aufgrund seiner strategischen Lage der ideale Standort. Die Flächen für die Rüstungsindustrie würden erweitert, um auch in der Zukunft Expansionsmöglichkeiten zu schaffen.
Sein Ministerium habe eine eigene Standortpräsentation »Saarland Rüstungsregion« schon lange vor der aktuellen Diskussion entwickelt. 14 große Rüstungsunternehmen seien angeschrieben worden. »Wir reden nicht über morgen«, sagte Barke. »Die haben uns auf dem Schirm und kennen unsere Rahmenbedingungen.« Jetzt gehe es darum, die saarländischen Mittelständler nachhaltig zu qualifizieren. Ihr Vorteil: 100 % deutsche Gesellschafterstruktur und die gute Verfügbarkeit des Arbeitskräftepotenzials. Man habe keine Berührungsängste – im Gegenteil.
Aber, auch das sagte Barke: »Wir verkaufen keine Narrative, die am Ende nicht tragfähig sind.« (Das war ein Seitenhieb auf die CDU-Opposition.)
Nicht neu ist die Idee, die Automotive-Firmen »in die Rüstungswertschöpfungskette einzuschleusen«. Das ist aber gerade in diesem sensiblen Bereich nicht ganz einfach.
Mehr Transformation soll es auch durch mehr Kreislaufwirtschaft geben. Sie soll eine ähnliche Bedeutung erhalten wie die Logistik. Man setze auch im Forschungsumfeld auf Kreislaufwirtschaft.
Es gehe immer um das Zusammenspiel und gute Kommunikation. Notwendig für die Wettbewerbsfähigkeit seien auf Dauer Digitalisierung, KI, Automatisierung und Innovationen, um durch Produktivität in einem global verschärften Umfeld konkurrenzfähig zu bleiben.
Jürgen Barke beim Sommergespräch 2025.
Foto: Armin König