Simon Fujiwara im MUDAM in Luxemburg. Foto: Armin König.
Abschlussvorlesung Metz, Mudam, Mannheim Moderne Galerie
Liebe Studierende,
mit dieser Veranstaltung endet nicht nur eine Vorlesungsreihe, sondern eine gemeinsame Expedition. Unser Ziel war es, Kunst nicht allein über Bücher oder Projektionen kennenzulernen, sondern vor den Originalen zu stehen. Z Kunst entfaltet ihre eigentliche Wirkung erst im unmittelbaren Gegenüber. Zwischen einer Abbildung in einem Buch und dem Original liegt ein fundamentaler Unterschied. Ein Bildschirm kann die Größe eines Gemäldes, die Materialität einer Skulptur, die Wirkung des Lichts oder die Atmosphäre eines Museumsraumes nicht vermitteln. Erst vor dem Original beginnt das eigentliche Sehen. Daum ging es mir. Und ich war selbst überrascht von der Wirkung. Zwischen Saarbrücken, Mannheim, Luxemburg und Metz haben wir erlebt, wie sich die Kunst seit der Mitte des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart entwickelt hat. Jede Exkursion eröffnete einen neuen Blick auf die Moderne und zeigte, dass Kunst immer Ausdruck ihrer Zeit ist. Es gab mehr als einmal fragende Blicke und auch kritische Kommentare. Aber ich habe schon in der Einführung darauf hingewiesen, dass man nicht alles verstehen muss und nicht alles gut finden muss. Es reicht sogar, wenn man nur ganz wenige Kunstwerke gut findet. Was man aber hervorragend nachvollziehen konnte, waren Entwicklungslinien. Und eigentlich war es auch ein Stück Zeitgeschichte.
Im Verlauf unserer Expeditionen haben wir nicht nur über tausend Kunstwerke gesehen. Wir haben vier Museen von internationalem Rang besucht. Allein in Metz begegneten wir rund 350 Meisterwerken aus der Sammlung des Centre Pompidou in Paris, ergänzt durch die Eigenproduktionen von Maurizio Cattelan. Die Moderne Galerie in Saarbrücken zeigt in der Ausstellung „Andy Warhol. Ikonen“ rund 120 Arbeiten des Pop-Art-Künstlers. Darunter sind berühmte Siebdrucke, frühe Zeichnungen und Werbegrafiken und gleich fünf vollständige Werksätze. Ich fand das außerordentlich spannend in dieser Konzentration. Aber darauf kommen wir noch. Beim Mudam standen Simon Fujiwara und Igshaan Adams im Mittelpunkt. Warhol ist ja selbst eine Ikone. Bei Fujiwara und Adams ist dies zwar nicht der Fall. Aber sie sind im internationalen Kunstmarkt Superstars. Simon Fujiwara hat bereits in berühmten Museen wie dem MoMA, dem Guggenheim oder dem Centre Pompidou seine Traumwelten geschaffen. Ich habe nicht gezählt, wie viele Kunstwerke wir im Mudam gesehen haben. Aber 200 dürften es sicher gewesen sein – »A Whole New World« war sehr spektakulär mit so unterschiedlichen Genres, wie man es sich kau vorstellen kann: Vom Tafelbild über Installationen, Skulpturen, Video-Installationen bis hin zu den Merkel-Puzzleteilen und den kleinen Syphilis-Modellen, die selbst Kunstwerke im Kunstwerk geliefert haben – und schließlich »Storytelling«, eine mittlerweile ganz eigenständige Kunstform. Es ist jedenfalls eine umfassende Werkschau. The largest presentation of Fujiwara’s work to date, heißt es im Pressetext. Ergänzt wurde das Ganze durch eine weitere Ausstellung im Untergeschoss. Und dann waren ja noch die vielen Originalwerke in der Kunsthalle Mannheim bei der Ausstellung Radikal real mit Niki de Saint Phalle, Yves Klein,Daniel Spoerri und vielen anderen bedeutenden Konzeptkünstlern, ergänzt durch die Werke in den Kuben der Kunsthalle und im Jugendstilbau. Eigentlich ist es völlig unmöglich, sich an ALLES zu erinnern. Das ist aber auch nicht entscheidend.
Entscheidend ist die Erfahrung des Sehens. Der Kunst-Wahrnehmung. Der Prozess der Auseinandersetzung. Die Frage der kritischen Einstellung.
Und selbstverständlich haben wir ja auch eine ganz Epoche – vom Zweiten Weltkrieg bis heute – in vier unterschiedlichen Herangehensweisen erlebt. Als Kunst. Als kreative Auseinandersetzung. Kritisch. Politisch. So ganz anders als im Gewusel und dem Klein-Klein des Alltags.
Was das mit uns macht, wissen wir noch nicht. Es hat aber mit Sicherheit etwas ausgelöst. Ein Schwerpunkt waren die Werke der Nachkriegsmoderne und der Pop Art.
Die Moderne Galerie Saarbrücken
Beginnen wir vor Ort in Saarbrücken, beim Superstar Andy Warhol. Seine Darstellungen von Marilyn Monroe, Mao Zedong oder den Ereignissen um den Mord an John F. Kennedy, aber auch die Kuh zum Beispiel gehören zu den berühmtesten Bildikonen des 20. Jahrhunderts. Das Plattencover von „The Velvet Underground“ mit der berühmten Banane darauf ist ebenso in dieser Ausstellung zu finden, wie die übergroßen Campbell-Tomatensuppendosen.
»Warhol weiß, wie man ästhetisch Motive an den Mann bringt, sozusagen aufpeppt. Das hat er von klein auf, von der Pike auf gelernt«, erklärt die Kuratorin und Direktorin des Saarlandmuseums, Lisa Felicitas Mattheis beim Preview am Tag vor der eigentlichen Aussetllungseröffnung.
Warhol zeigte, dass Bilder in der Mediengesellschaft eine Macht besitzen, die oft größer ist als die Wirklichkeit selbst. Aus Werbung, Zeitungen und Fernsehen wurden Motive der Kunst. Ikonen eben. Ikonen werden gemacht. Dadurch verschwammen die Grenzen zwischen Hochkultur und Alltagskultur. Es gab da noch kein Instagram. Aber eigentlich war diese Ikonisierung eine frühe Instragramisierung. Insta lange vor Insta. Andererseits zeigen die späteren Werke – ich denke da an die Serigrafie mit dem elektrischen Stuhl (»Elecrtric Chair«) als Tötungsinstrument, aber auch an die sehr düsteren Kennedy-Memorials und den Riesen-Fernschreiber-Text -, dass diese Auseinandersetzung hoch politisch sein kann. Und im Trump-Zeitalter, in der Zeit der US-ICE-Gewalttaten von Staatsorganen, fühlt man plötzlich Beklemmung, wenn man diese Industrialisierung von Gewalt in die Postmoderne der Identitären übersetzt. So verweisen Ikonen auf Abgründe. Wenn man sich auf die Geschichte des Massenmörders Mao oder auf die Tragödie der Norma Jeane Baker Marilyn Monroe einlässt, dann werden auch die bunten Ikonen-Grafiken zu doppel- und mehrdeutigen medialen Abbildern einer komplizierten und oft bösen Welt.
Und dann haben wir in der Saarbrücker Ikonen-Ausstellung ja auch noch die Zitate anderer Kunstwerke, die Warhol überschreibt, überdruckt, die Farbverläufe, die Ausschnitte aus klassischen Kunstwerken, die daraus völlig neue Werke entstehen lassen – etwas, das wir bei Simon Fujiwara im Mudam in Luxemburg und bei Maurizio Cattelan in Metz ebenso exemplarisch nachvollziehen konnten. Dass wir in Saarbrücken das Glück hatten, gleich nach Ausstellungsbeginn eine hoch motivierte junge Kunstpädagogin zu erleben, gehört mit zu den Erlebnissen. Und natürlich die Hitze jenes Tages, die durch die klimatisierte Kühle im Saarlandmuseum kontrastiert wurde. Mir hat das sehr gefallen.
Ein kleines Zitat noch, das ich gefunden habe:
“If fame goes by, so long, I’ve had you, fame. If it goes by, I’ve always known it was fickle. So at least it’s something I experience, but that’s not where I live.”
„Wenn der Ruhm vergeht – Tschau, ich hatte dich, Ruhm. Wenn er vorbeigeht, habe ich immer gewusst, dass er unbeständig ist. So ist zumindest meine Erfahrung. Aber das ist nicht die Welt, in der ich lebe.“
– Richard Meryman: Marilyn Monroe Pours Her Heart Out (Life Magazine vom 3. August 1962
Mudam Luxemburg
Im Mudam begegneten wir internationalen Positionen der Gegenwartskunst, unter anderem Simon Fujiwara. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit Identität, Erinnerung, Medien und der Konstruktion von Wirklichkeit. Ebenso beeindruckend war die Architektur des Museums. I. M. Pei schuf einen Bau, in dem Licht, Glas und Naturstein eine ruhige Atmosphäre erzeugen. Das Gebäude ist nicht nur Hülle für Kunst, sondern selbst Teil des ästhetischen Erlebnisses.
Das Mudam beschreibt Fujiwaras Werk als Einladung, sich der zeitgenössischen Welt in ihrer Komplexität, Absurdität und Widersprüchlichkeit zu stellen. Wir haben gesehen, dass Fujiwara seine Arbeiten häufig als verführerische Oberflächen organisiert: bunte Architekturen, cartoonhafte Figuren, Themenpark-Design, Konsumobjekte oder museale Displays. Aber dahinter lauern die Abgründe. Das gilt natürlich vor allem für seine Syphilis-Arbeiten, aber auch die Anne-Frank-Installation hat mich sehr bewegt.
Ausgangspunkt war ein Besuch des Anne-Frank-Hauses in Amsterdam, bei dem Fujiwara im Museumsshop ein Steckmodell des Hauses und ein leeres, an das Tagebuch angelehntes Notizbuch kaufte. Aus der Irritation über diese Produkte entwickelte sich eine langjährige Untersuchung darüber, wie aus Anne Frank als realer, verfolgter und ermordeter Person eine globale Ikone, eine pädagogische Figur, ein touristisches Ziel und schließlich ein Bestandsteil einer transnationalen Erinnerungs- und Konsumindustrie wurde
Fujiwaras Themenspektrum reicht von Geschichte, Mythologie, Sexualität und Psychoanalyse bis zu Architektur, Kunstgeschichte und Anthropologie. Dabei bleiben die Arbeiten trotz ihrer großen Referenzräume eng an subjektive Erfahrung gebunden; genau diese Verbindung von persönlichem Ausgangspunkt und gesellschaftlicher Reichweite macht Fujiwaras Werk für viele Institutionen und Kritiker so anschlussfähig. Wiederkehrende Motive sind ikonische Figuren, Cartoons, touristische Massenattraktionen, Gift Shops, Museen und die Ästhetik des Entertainments.
Sehenswert ist also schon der Parcours als solcher, weil sich in ihm Fujiwaras zentrale These verkörpert: Kunst, Unterhaltung, Selbstinszenierung und gesellschaftliche Reflexion sind heute nicht mehr sauber voneinander zu trennen. Als Stichworte nenne ich Who the Bear, Hope House (Anne Frank) und Studio Pietá.
Igshaan Adams, geboren 1982 in Kapstadt, ist einer der bedeutendsten südafrikanischen Künstler der Gegenwart. Seine Praxis vereint Weberei, Skulptur, Installation und Performance zu einem vielschichtigen, körperlich erfahrbaren Werk, das die Geschichte eines gespaltenen Landes, die Komplexität queerer Identität und die Kraft spiritueller Überlieferung in handgefertigte Materialität übersetzt. Die Ausstellung Between Then and Now im Mudam Luxemburg hat bei mir in drei Komplexen Eindruck erzeugt: Mit den monumentalen Wandteppichen und ihren Tanzabdrücken, den Wolkengebilden und den Perlenwebereien mit Strandmaterialien. Er verwendet Seil, Garn, Draht, Perlen, Muscheln, Glas, Stahl, Knochen, Goldkette und gefundene Stoffe aus dem Alltag Kapstadts, und diese Materialien sind niemals neutral: Sie kommen aus den Räumen und Lebensläufen seiner Gemeinschaft, tragen die Zeitspuren menschlicher Nutzung und werden durch den Akt des Webens zu Reflexionen über Identität, Zugehörigkeit und Wert.
Da haben wir sie also wieder, die Identität. Und die Politik.
Radikal Real in Mannheim
Die Ausstellung „Radikal Real“ machte deutlich, wie vielfältig sich die Kunst seit den 1960er Jahren entwickelte. Niki de Saint Phalle verband Farbe, Bewegung und gesellschaftliche Kritik. Yves Klein erforschte die Wirkung einer einzigen Farbe und verwandelte das intensive Ultramarinblau in ein unverwechselbares Markenzeichen. Daniel Spoerri erhob Alltagsgegenstände zu Kunstwerken und stellte damit die Frage, wodurch ein Kunstwerk überhaupt entsteht. Die Ausstellung zeigte eindrucksvoll, dass moderne Kunst nicht nur abbildet, sondern Denkprozesse auslöst und natürlich auch Kritik: »ist das Kunst oder kann ds weg«, um ein Bonmot zu zitieren, das auf Beuys gemünzt war.
Die Ausstellung Radikal. Real. Ist die größte Ausstellung zum Nouveau Réalisme in Deutschland seit mehr als fünfzehn Jahren. Sie kombiniert zahlreiche Leihgaben mit den bedeutenden Beständen der Kunsthalle, insbesondere von Arman, César, Yves Klein, Mimmo Rotella, Daniel Spoerri und Niki de Saint Phalle.
Fast zeitgleich mit Andy Warhol in den USA entwickelte sich in Frankreich der Nouveau Réalisme. Während die amerikanische Pop Art die Konsumwelt beobachtete, griffen französische Künstler unmittelbar auf den Alltag zurück. Da ist das zur Explosion gebrachte Luxus-Automobil: der nicht mehr ganz so weiße MG. Oder der Auto-Blechklumpen aus der Autopresse, der mal ein AlfaRomeo war. Die Waschmaschine als zentnerschwerer Materialklotz. Ist das Kunst? Yes. Das ist Kunst. Denn Kunst war plötzlich auch die reine Idee.
Die Affichisten stehen schon im Eingangsbereich der spektakulären Großausstellung – mit faszinierenden Ergebnissen und letztlich großen Tafelbild-artigen Werken, die aber eigentlich nur Plakat-Abrisse waren. Und doch sind sie jetzt Kunst. Wie bei Daniel Spoerri, der Essenstabletts mit den Essensresten an die Wand nagelt. Und die Restauratorinnen müssen das über Jahrzehnte oder Jahrhunderte erhalten, oder? Yves Klein hat seine Kunst scheinbar auf eine einzige Farbe reduziert und konzentriert: das intensive Ultramarinblau, das als „Yves Klein Blue“ weltberühmt wurde. Doch Klein interessierte sich nicht für Farbe als Dekoration. Er wollte, dass Farbe zu einem körperlichen Erlebnis wird. Sie wissen ja, dass Models damit bestrichen wurden. Da kommt also die Körperlichkeit hinzu, die wir inzwischen – Frauen als Objekte eines Künstlers, auch kritischer sehen. Das kam übrigens in der Führung nicht zum Ausdruck. Kleins monochromen Bilder wirken zunächst einfach. Je länger man jedoch davorsteht, desto stärker verändert sich ihre Wirkung. Man beginnt, nicht mehr auf Gegenstände zu schauen, sondern auf Raum, Licht und Atmosphäre.Damit verschob Klein den Schwerpunkt der Kunst vom Motiv auf die Wahrnehmung. Niki de Saint Phalle schoss mit Gewehren auf Leinwände – und verarbeitete damit auch ein sehr persönliches Trauma. Die Bilder oder Werke haben also eine Vorgeschichte – und ein kinetisches Momentum, das in den Werken eingroren ist. Außerdem schuf sie ihre berühmten „Nanas“, die bis heute zu den bekanntesten Skulpturen Europas gehören. Leider ist in Mannheim nur eine kleine Nana zu sehen. Aber das Gesamtbild ist schlicht gewaltig – in jeder Hinsicht: massemäßig und massenmäßig. Aber es ist ja nicht alles statisch. Die lärmenden oder einfach nur Bewegung erzeugenden Nonsensmaschinen haben ja auch ihren ganz besonderen Reiz.
Diese Künstlerinnen und Künstler wollten zeigen, dass Kunst überall entstehen kann.
Centre Pompidou-Metz
Damit sind wir bei Maurizio Cattelans Banane an der Wand des Centre Pompidou-Metz. Wird Knst da obszön, weil dafür Millionen von Snobs bezahlt werden? Oder ist es tatsächlich eine Auseinandersetzung mit der Realität? Ist er Kopist, Auftraggeber oder produzierender Künstler? ER zitiert die Velvet Underground Banane von Warhol Auf dem Original-Cover konnte man die gelbe Schale abziehen („Peel off and see“) und darunter eine geschälte, fleischfarbene Banane entdecken. Der italienische Konzeptkünstler Cattelan sorgte auf der Art Basel in Miami für Aufsehen, als er eine handelsübliche Banane mit grauem Klebeband an eine Wand heftete. Das Werk wurde für 120.000 Dollar verkauft und erregte weltweites Medienecho, da es den Kunstbetrieb selbstironisch hinterfragte. Bei späteren Ausstellungen wurde die Banane vereinzelt von Besuchern abgepflückt und verzehrt. 2024 erzielte die Konzeptkunst auf einer Auktion bei Sotheby’s sogar über sechs Millionen Dollar. Und dann der Gag: Wie schmeckt eine Frucht, die sechs Millionen Dollar wert ist? Das wollte ein niederländischer Tourist herausfinden. Ich finde das schon ein bisschen irre. Aber es ist Teil der Kunst. Kunst wird Idee. Oder Idee wird Kunst. Gemeint ist, dass Kunst nicht mehr nur aus einem schönen Gegenstand besteht.
Vielmehr fordert sie uns dazu auf, über ihre Bedeutung nachzudenken. Auch wenn da die Mutter des Künstlers im Kühlschrank gefangen ist. Der Besucher wird durch Reflexion selbst Teil des Kunstwerks. Womit wir wieder bei uns wären. Wir waren nicht nur Beobachtende, sondern auch selbst Kunst. Ist das nicht toll.
Ein großes modernes Kunsterlebnis
Metz ist in dieser Kunst-Frage natürlich grandios spektakulär.
Durch die Sanierung des Pariser Stammhauses konnten hier hunderte bedeutende Werke der Moderne aus der Sammlung des Centre Pompidou gezeigt werden. Dadurch sehen wir dort. vorübergehend eine außergewöhnliche Übersicht über die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Auch Arbeiten von Louise Nevelson machten deutlich, wie Skulptur zu einem eigenen architektonischen Raum werden kann.
Heute leben wir in einer global vernetzten Welt. Migration, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Klimawandel und soziale Medien verändern unsere Gesellschaft. Zeitgenössische Künstler reagieren unmittelbar darauf. Viele Kunstwerke sind gar nicht auf Dauer angelegt. Sie kommen und verschwinden, sind immersiv, sind vergänglich oder auch nicht, sind Idee
Simon Fujiwara untersucht, wie Identität heute entsteht. Maurizio Cattelan verbindet Ironie mit gesellschaftlicher Kritik. Louise Nevelson zeigt, wie aus scheinbar wertlosen Materialien monumentale Kunst entstehen kann.
Viele zeitgenössische Werke besitzen keine eindeutige Botschaft. Sie eröffnen Denk- und Erfahrungsräume. Und Kritikräume. Alles ist möglich. Auch das macht ihre Aktualität aus.
Architektur als Teil der Kunst
Ein zweiter roter Faden unserer Reise war die Museumsarchitektur. Die Moderne Galerie Saarbrücken, die Erweiterung der Kunsthalle Mannheim durch gmp, das Mudam von I. M. Pei und das Centre Pompidou-Metz von Shigeru Ban zeigen unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage: Wie präsentiert man Kunst? Moderne Museen sind keine neutralen Gebäude mehr. Sie schaffen Atmosphäre, lenken den Blick und prägen unser Erleben der Werke.
Gemeinsame Entwicklungslinien
Ob Pop Art, Nouveau Réalisme, Fluxus, Objektkunst, Konzeptkunst oder Gegenwartskunst – immer wieder begegneten uns ähnliche Themen: Erinnerung, Politik, Konsum, Identität, Medien und gesellschaftlicher Wandel. Die Künstlerinnen und Künstler verwendeten ganz unterschiedliche Materialien und Ausdrucksformen, verfolgten aber ein gemeinsames Ziel: Sie wollten die Welt nicht nur darstellen, sondern unser Nachdenken über sie verändern.
Fazit
Wenn wir unsere Exkursionen noch einmal Revue passieren lassen, erkennen wir einen roten Faden:
Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis dieser Vorlesungsreihe eine geografische. Für außergewöhnliche Kunst muss man nicht zwangsläufig nach New York, London oder Paris reisen. Zwischen dem Saarland, Lothringen, Luxemburg und der Rhein-Neckar-Region befindet sich eine europäische Kulturlandschaft von außergewöhnlicher Dichte. Innerhalb kurzer Entfernungen konnten wir Werke von Weltrang erleben, bedeutende Sonderausstellungen besuchen und herausragende Museumsarchitektur kennenlernen. Von Andy Warhol über Yves Klein und Niki de Saint Phalle bis zu Simon Fujiwara und Maurizio Cattelan spannt sich ein Bogen von mehr als siebzig Jahren Kunstgeschichte. Und genau dieser Bogen bildet das Fundament für alles, was wir in Saarbrücken, Mannheim, Luxemburg und Metz gesehen haben.
Wir könnten noch jede Menge anderer Museen hinzunehmen: In Wiesbaden, Ludwigshafen, Kaiserslautern, Trier, aber auch in – sagen wir mal Merzig-Hilbringen.
Martin Zimmer aus Merzig-Hilbringen ist Kunstsammler aus Leidenschaft. Er beherbergt 130 Kunstwerke der sogenannten Neuen Wilden. Das sind Maler, die Ende der 1970er Jahre einen neoexpressionistischen Mal-Stil entwickelt haben – darunter auch Rainer Fetting. Jeden Sonntagnachmittag öffnet das Privatmuseum der ganz besonderen Art.
Danke, dass Sie dabei waren auf dieser großen Expedition durch die Kunstwerke der Region.
Sie haben Weltklasse gesehen – in kondensierter und konzentrierter Form – kombiniert mit kompetenten Führungen. Mir hat die Gruppe viel Spaß gemacht. Und auch ich habe wieder viel gelernt. Meine kleine Verspätung in Metz bitte ich zu entschuldigen. Beim nächsten Mal werde ich den richtigen Bus in die Stadt nehmen.
Es war ja nicht die letzte Expedition.
Es gibt noch viel zu entdecken. Viel Spaß dabei und danke.
Dr. Armin König
21.7.2026

