Sehr geehrter Herr Toscani, Sie sind also der Meinung, dass »man sich nicht der Illusion hingeben sollte, aus Deutschland heraus das Weltklima retten zu können«. Das sind ja genau die Narrative der Klimaleugner und Klimawandelverharmloser, die bei der Union Stiftung derzeit Konjunktur haben (Christoph Canne und Co). Das passt ins rechte Weltbild und ist auch, wie wir am Montag bei der Landespressekonferenz gehört haben, ziemlich nah bei der AfD.
In einer Zeit der größten Hitze, die ich je erlebt habe, in einer Zeit, in der über 400 Menschen im Saarland den Hitzetod gestorben sind, nur Resilienz und Klima-Reparaturarbeiten zu predigen und sich auf Anpassungen an den Klimawandel in öffentlichen Gebäuden zu beschränken, die weit und breit nicht in Sicht sind, ist dann doch sehr billig.
Da glaube ich Ihnen dann nicht, wenn sie sagen »Klimaschutz bleibt wichtig«. Er war es für Sie bisher nach meiner Beobachtung nicht und er ist es für Sie auch weiterhin nicht, wenn Sie so reden.
Da kannte ich einen ganz anderen Landesvorsitzenden, den vielleicht bedeutendsten, den die CDU Saar hatte. Es war Klaus Töpfer, der die CDU Saar in schwierigsten Zeiten führte. Ich habe ihn erlebt. Er war faszinierend. Töpfer wurde später Bundesumweltminister und schließlich Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP; Hauptsitz: Nairobi).
Lieber Herr Toscani, genau dieser Wahlsaarländer Klaus Töpfer hat versucht, aus Deutschland heraus das Weltklima zu retten. Das war noch Umweltpolitik. Das waren noch Ansprüche. Da war Politik noch keine Reparaturbetrieb für die verheerenden Folgen einer sturen »schwarze-Null-Politik«, der Sie ja auch gehuldigt haben und die die Saar-Kommunen verhungern ließ.
Es gab die Klimavisionen der Bundesumweltministerin Angela Merkel (CDU), die diese als Bundeskanzlerin leider nicht umgesetzt hat. Aber sie war immer noch um Längen besser als das, was die CDU Saar heute zu bieten hat.
Ich hatte das Glück, den durch und durch umweltbewegten Minister Berthold Budell zu erleben und mit ihm zusammenzuarbeiten. Der BUND-Gründer im Saarland war beseelt davon, aus christlichem Glauben die Schöpfung zu bewahren und Natur und Umwelt und Wirtschaft miteinander zu versöhnen. Budell hatte wahrhaft ethische Maßstäbe. Mit Rainer Wicklmayr gründete er die Naturlandstiftung Saar. Wicklmayr konnte übrigens Wirtschaft und Natur miteinander verbinden. Ein kantiger, aber überzeugter Typ. Der hat mich mal gerettet.
Und ich habe als Bürgermeister Umweltminister Stefan Mörsdorf erlebt: Auch der Nabu-Mann Mörsdorf war überzeugt davon, mit seinen Visionen andere Menschen mitzuziehen.
Was wir heute von der CDU Saar erleben, ist das Gegenteil. Feige Anpassungspolitik nach dem Motto: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.
So kann man nicht Politik machen, so ganz ohne Werte und ethisches Fundament.
Reden wir Klartext.
Wir brauchen kein »Aus vom Verbrenner-Aus«. Wir brauchen keine Dienstwagen-Privilegien. Wir brauchen keinen Gasvorrang vor Klimaschutz. Und es ist eine Schande, wie Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche den Klimaschutz ganz praktisch per Gesetz torpediert und zerstört. Und wir brauchen keine Verhinderung des Tempolimits.
Ich finde es auch schlimm, dass sich die SPD in all diesen Fragen wegduckt. Auch Klingbeil und Bas sind feige.
Wir brauchen die Umkehr: Wasserschutz, Klimaschutz, Verbrenner-Aus, alternative Energien, Schwammstädte, radikales Ende der Neubaupolitik im Außenbereich, Flächenschutz, Auenschutz. Tempolimit.
Wir wissen doch, wie es geht, praktizieren es sogar in Kommunen wie der Illrenaturierung (heute Natura Ill-Theel), der Landschaft der Industriekultur Nord, den Wolferskopfgemeinden.
Ja, ich habe das auch maßgeblich vertreten: Umweltschutz verlangt Umkehr und neue Pfade, aber keine neuen Autobahnen. Umwelt braucht Schutz – wie das Klima.
Aber man muss den Menschen die Wahrheit sagen. Die sollen doch mitmachen, mitziehen, überzeugt sein.
Hört endlich auf, den Populisten feige nachzurennen. Die sind immer radikaler und schneller als ihr.
Kehrt um.
Sonst trägt man Schuld an Hitzeschäden und Krankheiten.
Politik hat eben doch eine moralische Komponente. Die Schwarzen Null ist keine Zukunft.
Wer Zukunft will, muss investieren in die Rettung der Welt.
So einfach ist das.
Herzliche Grüße
Dr. Armin König