Wiederentdeckt: 100 Texte für den Frieden

Bei meiner Zahnärztin hab ich das Buch wiederentdeckt. Ich finde es gut, das Dr. Gisela Hoffmann dieses Friedensbuch aus dem Schaumberg-Verlag (Störmer) im Wartezimmer ausgelegt hat. Die Texte sind kurz und prägnant und haben ein klare Zielrichtung: Auch in kriegerischen Zeiten muss der Frieden unser großes Ziel bleiben.

Zu diesem ganz außergewöhnlichen Buchprojekt haben Matthias Schäfer, Katja Bohlander-Sahner und Tom Störmer im März 2022 angeregt. Als Folge des Überfalls von Russland auf die Ukraine und dem damit verbundenen Leid für die Zivilbevölkerung, haben die drei Autoren, Künstler, Politiker, Freunde, Nachbarn und Bekannte dazu aufgerufen, sich ihren Frust von der Seele zu schreiben. Dabei sind 100 Texte für den Frieden binnen kürzester Zeit zusammengekommen. Diese Texte haben wir in einem Buch zusammengefasst, dessen Erlös komplett den Kindern in der Ukraine zukommt.

Auch ich habe damals einen Text beigesteuert.

100 Texte für den Frieden. Gedanken – Gedichte – Essays.

Taschenbuch. 16 x 24 cm. 208 Seiten.

ISBN 978-3-941095-94-6

20 Euro.

 

Mein Text:

 

Menschheitsdämmerung? Nein. Wir haben Hoffnung

Aus meinem Tagebuch (6. März 2022)

Ein abgewetztes Taschenbuch, hundertfach angefasst. Lange stand es im Regal. Jetzt wieder hervorgeholt: „menschheitsdämmerung. ein dokument des expressionismus. herausgegeben von kurt pinthus.“ Manches in dieser uralten Sammlung klingt schwülstig in unserer Zeit. Wir sind die Wucht der expressionistischen Bilder nicht mehr gewohnt. Aber die Wichtigsten der Gedichte – zum Teil aus der Zeit unmittelbar vor dem 1. Weltkrieg – sind zeitlos und heute noch Menetekel. „Der Krieg“ zum Beispiel. Von Georg Heym.  „Aufgestanden ist er, welcher lange schlief“. Oder von Franz Werfel, Kurt Heynicke („Welt/wie du taumelst!“), August Stramm. Die Schrecken des Krieges sind damals schon dramatisch expressionistisch in Worte und Bilder übersetzt worden.  Wir wissen, wie es endete. Und heute? Nichts gelernt aus den Schrecken der Kriege?  Dass Putin im Kreml – er ist kein Dämon, er ist nur ein Mensch – willens ist, die Welt in Brand zu setzen, sie in den atomaren Untergang zu schicken, wenn man ihm nicht seinen Willen tut, dass er berserkerhaft Millionen Unschuldige zu Opfern macht, plagt uns Tag und Nacht. Und doch: ist da Hoffnung. Es sind Frauen, die Mut machen und trösten. Julia aus Baraniwka in der Ukraine, die Frau des Bürgermeisters, schreibt, und es zerreißt uns das Herz: „Eure Unterstützung ist so unendlich wichtig in diesen schwierigen Zeiten für die Ukraine. In unserer Stadt Baranivka ist es noch ruhig. Aber unsere Jungs verteidigen schon unsere Heimat. Wir sind jeden Tag, jede Nacht in voller Bereitschaft. Und voller Angst. Halten wir einander fest! Gott sei mit uns!“ Wir bangen mit Julia und Millionen Ukrainern, die um ihre Freiheit kämpfen und dafür ihr Leben riskieren.

Von Else Lasker-Schüler lesen wir:  „Wir wollen wachen die Nacht, / In den Sprachen beten, // Die wie Harfen eingeschnitten sind.“ Aber da fällt kein „großer Stern in meinen Schoß“. Wo bleibt es, das Wunder der Nacht? Wird es kommen?

Noch bleibt es aus. Putin bombt weiter. Doch gibt es die andere Hoffnung: Diese weltweite Macht der Solidarität, die Kraft der Gemeinschaft, zu spenden, zu helfen und auf die Straße zu gehen, um Zeichen zu setzen für Frieden und Freiheit. Und wieder schreibt Julia Eismont-Mige. Diesmal hat Tuchóws Bürgermeisterin Magda Marszałek die Botschaft der neuen Freundin aus der Ukraine für uns übersetzt: „Vielen Dank für die Unterstützungsbriefe, Anrufe, medizinische, humanitäre und finanzielle Hilfe, die Aufnahme unserer Frauen und Kinder und die Hilfe, die tausendfach Leben rettet!“ Sie habe uns alle ins Herz geschlossen, Menschen aus allen Teilen Europas. Ja, Europa ist unser Glück, unsere Rettung. Diese Bereitschaft, füreinander da zu sein, macht Mut und tut gut. Millionen Freiwillige, die in diesen Tagen einfach nur helfen. Welche eine Erfahrung: Grenzenlos Hilfe und Hoffnung und Kraft und Solidarität.

In unserer WhatsApp-Gruppe ploppen sekündliche Hilfsangebote auf: Von Katharina, Inge, Heike, Marc, Sarah, Jessy, Michael, Karl, Pia, Anja, Daniela, Astrid, Ursula, Angelina, Jasmin und vielen anderen Freiwilligen. Menschen wie Du, wie ich.

Und du fragst: Ob ich doch wieder glauben kann? Den Klerikern zum Trotz? Ja, ich will. Möge der Frieden das letzte Wort haben. Mögen Präsidenten und Kanzler nicht nachlassen in ihren Bemühungen: Reden und handeln. Reden und handeln auch wir!

Und beten: Höre unser aller Rufen. Schicke Frieden in unseren Tagen, Frieden, die die Welt nicht gibt. Schicke Frieden, mein Gott, meine Göttin,  wenn es dich gibt. Und rette die Welt vor dem Bösen.

Menschheitsdämmerung? Nein, mein Freund, meine Freundin. Wir haben Hoffnung auf Freiheit und Frieden. Diese grenzenlose Hoffnung macht uns stark.

Armin König