Dauerbaustelle Patientenakte – Chaos statt Effizienz

31.12.2025

Ein echtes Drama, das vielen Menschen Bauchschmerzen macht: Dauerbaustelle elektronische Patientenakte

Die Dauerbaustelle elektronische Patientenakte (ePA) ist ein Paradebeispiel für das Spannungsfeld zwischen Digitalisierungsanspruch, realem Chaos in der Anwendung und föderal zersplitterter Zuständigkeit.

Fragen Sie ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.
Die können Ihnen jede Menge Stories erzählen.

Eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag und eine Anfrage der Linken greifen diese Probleme systematisch auf.

Das sind nicht irgendwelche politischen Spielchen. Das ist das Aufgreifen realer Problem im Alltag von Ärzten und Aporthekern.

Die Opposition will, dass die Bundesregierung und vor allem das Bundesgesundheitsministerium von Nina Warken (CDU) jetzt endlich Klartext redet, die Probleme offen anspricht und auch löst.

Seit Testphase und Einführung haben privilegierte Unternehmer der Branche hunderte Millionen Euro kassiert. Wie hoch die Gewinnspanne ist, kann man nur ahnen.

Man hat Ärzte genötigt, Geräte zu kaufen, die dann aber, nachdem es lange keine klare Linie und viele Anwendungsprobleme gab, nicht mehr zertifiziert waren. Der Bund und die Kassen sind Zickzack gefahren, weil sie einfach nicht fähig waren (und sind?), Digitalisierung zu managen.

Und einige Politiker (man ahnt, dass auch hier mal wieder Jens Spahn seine Hand im Spiel hatte) haben „Connections“ genutzt und ihre „Nützlinge“ an entscheiden Stellen positioniert. Und Nützlinge in der Wirtschaft gab es auch. Die entscheidende rolle spielt dabei die Gematik GmbH, die das alles umsetzen soll und die der Bund zu Zeiten von Spahn mehrheitlich übernommen hat

Unter Jens Spahn als Gesundheitsminister erhielt ein Mann den hochrangigen und extrem gut dotierten Gematik-Spitzen-Job in der Gesundheitsbranche, der privat gut mit Spahn bekannt sind. so lasen wir es schon vor Monaten in den Medien. Den Kritikern erschloss sich nicht unbedingt, weshalb der Facharzt Dr. Markus Leyck Dieken, der bei vielen Pharmafirmen, aber nicht in der IT gearbeitet hatte, der bestgeeignete Kandidat waren. Es gab aber laut CORRECTIV einen anderen Zusammenhang:

„Die Männer hatten wenige Monate zuvor ein privates Geschäft miteinander abgeschlossen. Leyck Dieken verkaufte Spahn eine Fünf-Zimmer-Altbauwohnung in Berlin-Schöneberg, für 980.000 Euro. Das Bundesgesundheitsministerium erklärte später auf eine Anfrage der AfD, der Kauf sei zum marktüblichen Preis erfolgt. Dabei bleibt Spahn auch heute auf Nachfrage. Er betont zudem, zum Zeitpunkt des Wohnungskaufs sei ja noch nicht absehbar gewesen, dass er bald Bundesgesundheitsminister sein würde.“ (Correctiv)

Achja: Da war ja auch noch Frank Gotthardt. Sie wissen schon: der rechtsgerichtete IT-Unternehmer und NIUS-Sponsor, den Julia Klockner in Koblenz sozusagen „gehämelt“ hat. Gotthardt, Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender von CompuGroup Medical (CGM), hat zwar keine Anteile an der gematik. CGM ist jedoch ein großer Softwareanbieter für Praxis- und Kliniksysteme in der Telematik-Infratruktur und ePA (Patientenakte) und damit mittelbar beteiligt als Primärsystemhersteller und Konnektor-Lieferant, der Standards der gematik umsetzt. Alles Zufall.

1. Hintergrund und Zielsetzung der ePA

Eigentlich gilt die elektronische Patientenakte (ePA) als Herzstück der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Und das seit Jahren. Mit dem Digitalgesetz (DigiG) und dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) hat die Ampel-Regierung den Weg zur flächendeckenden Einführung ab 2025 geebnet – nach dem Opt-out-Prinzip, also mit automatischer Anlage für alle gesetzlich Versicherten, es sei denn, sie widersprechen. Ziel ist es, medizinische Daten sektorenübergreifend verfügbar, interoperabel und sicher zu machen.

Doch dieses Idealbild wird durch technische Rückstände, rechtliche Unsicherheiten und fehlende Nutzerfreundlichkeit konterkariert.

2. Strukturelle und technische Probleme
Ein zentrales Problem liegt in der Multi-Provider-Struktur der ePA. Mehrere Anbieter entwickeln parallel unterschiedliche Anwender-Systeme, was zu Software-Unvereinbarkeiten und Brüchen, Verzögerungen und Redundanzen führt. Die koordinierende Rolle der gematik GmbH reicht offensichtlich bisher nicht aus, um verbindliche Standards effektiv durchzusetzen. Sie hat, so kritisieren es die Grünen, zu wenig Steuerungsmacht über Softwarehersteller, Krankenkassen und Dienstleister.

Das von der Vorgängerregierung geplante Gesundheitsdigitalagenturgesetz (GDAG), das eine stärkere zentrale Steuerung vorsah, blieb in der 20. Legislatur unvollendet – wodurch bis heute klare Verantwortlichkeiten zwischen Bundesgesundheitsministerium, gematik und möglichen Nachfolgeinstitutionen fehlen.

Inzwischen hat Leyck Diecken seinen Posten wieder verlassen. Er hat das Ding dem Vernehmen nach nicht auf die Reihe gekriegt. Jedenfalls nicht so, wie die Ärzteschaft udn die Kassen sich das wohl vorstellten.

3. Sicherheits- und Datenschutzfragen
Gesundheitsdaten unterliegen nach Art. 9 DSGVO einem besonders hohen Schutz. Doch trotz Verschlüsselung und Zugriffskontrollen gibt es wohl Probleme:

Eine flächendeckende digitale Heilberufe-ID zur revisionssicheren Protokollierung aller Datenzugriffe ist erst ab 2030 verpflichtend – bis dahin existiert keine eindeutige personale Zuordnung.

Die Einbindung neuer EU-Regelwerke wie Data Act und European Health Data Space (EHDS) erfordert umfangreiche Anpassungen, auch rechtlich. Diese Entwicklungen erhöhen den Druck, die ePA-Architektur grundlegend umzubauen.

4. Fehlende Nutzerfreundlichkeit und Akzeptanz
Trotz politischem Willen bleibt die tatsächliche Nutzung der ePA niedrig. Viele Versicherte scheitern an komplexen Identifikationsverfahren, unübersichtlichen Oberflächen und einer geringen praktischen Relevanz im Alltag.

Das im Pflege-Entbürokratisierungsgesetz (BEEP) eingeführte Video-Ident-Verfahren soll zwar Abhilfe schaffen, reicht aber nicht aus. Der Nutzen bleibt gering, solange Apps nicht nahtlos in gängige Betriebssysteme integriert und medizinische Daten (z. B. Laborwerte, Impf- oder Mutterpass) nicht standardisiert digitalisiert werden.

5. Die Kleine Anfrage und ihre Stoßrichtung
Die Abgeordneten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, darunter u. a. Dr. Janosch Dahmen und Dr. Kirsten Kappert-Gonther, wollen von der Bundesregierung wissen:

Wie soll das Backend vereinheitlicht und zentral gesteuert werden – durch gematik oder eine neue Digitalagentur?

Und schließlich: Wie steht die Bundesregierung zur Integration von Systemen wie Apple Health als externes Zugriffsfenster – inklusive der Frage nach Datenschutzrisiken?

Die Anfrage zielt damit klar auf mehr Transparenz, technische Kohärenz und Kontrollrechte des Staates, will aber auch konkrete Zeitschienen und Verantwortlichkeiten erfahren.

Fazit:
Die Kritik ist berechtigt und längst überfällig.
Statt für Nutzerfreundlichkeit und zentrale Steuerung steht die ePA bisher für technische Fragmentierung, unklare Verantwortlichkeiten und strukturelle Überforderung.

In ihrer jetzigen Form ist die ePA ein digitaler Flickenteppich – ob mit Risiken für Datenschutz und Effizienz, weiß ich nicht.

Aber meine medizinischen Vertrauten sind extrem enttäuscht über das, was bisher praktiziert wird.

 

Dr. Armin König