Bundestag setzt auf Expertenkommission
Die Debatte um ein gesetzliches Mindestalter von 16 Jahren für Social-Media-Accounts nimmt Fahrt auf – doch in Deutschland wartet man ab. Im Petitionsausschuss des Bundestags wurde am 10. November 2025 eine entsprechende Petition von Verena Holler, Vorstandsmitglied des Vereins „Smarter Start“, öffentlich besprochen. Über 34.000 Unterstützer fordern Schutz vor den Gefahren digitaler Plattformen. Die Bundesregierung sieht Handlungsbedarf, plant aber keine Sofortmaßnahmen.
Dringende Warnung vor Algorithmus-Fallen
Holler, Mutter von drei Kindern, schilderte eindringlich die Risiken: Kinder verbrächten zu viel Zeit vor Bildschirmen statt in der realen Welt. Plattformen nutzten Algorithmen, um Stimmungen auszuspionieren und passende Inhalte zuzuschanzen – von Essstörungen über Suizid-Propaganda bis zu Extremismus. „Es geht nicht um mangelnde Medienkompetenz, sondern um suchtfördernde Designs“, sagte sie. Eine Altersgrenze von 16 Jahren mit strenger Verifikation sei essenziell; elterliche Einwilligungen würden umgangen. Tobias Windbrake von „Smarter Start“ ergänzte: Solche Regeln schafften Raum für ethische Alternativen.
Regierung setzt auf Wissenschaft und EU-Lösungen
Parlamentarische Staatssekretärin Mareike Lotte Wulf (CDU) aus dem Familienministerium bestätigte „dringenden Handlungsbedarf“ und kündigte eine Kommission zum Jugendschutz an, deren Ergebnisse im Herbst 2026 erwartet werden. „Wissenschaftsbasiert vorgehen“, forderte sie. Positiv sah sie eine Altersregulierung, gestützt auf den EU-Digital Services Act (DSA). Die EUDI-Wallet als digitaler Ausweis solle Alterschecks ermöglichen – einsatzbereit Ende 2027. Kritik an zu langsamen Schritten: Holler sprach von einem „Wettlauf gegen die Zeit“.
Internationale Vorbilder und EU-Impulse
Australien führt voran: Ab 2025 gilt dort ein Verbot für unter 16-Jährige, mit hohen Strafen für Plattformen. Das EU-Parlament forderte kürzlich ein Verbot unter 16 Jahren EU-weit, mit elterlicher Zustimmung dazwischen – ein Signal für nationale Schritte. In Deutschland bleibt es vorerst bei Forderungen nach einer Expertenkommission; rasche Gesetze scheinen unwahrscheinlich. Die Petition unterstreicht den gesellschaftlichen Druck auf Politiker, Kinder vor digitalen Abgründen zu schützen.
Armin König