Mit diesem Napoleon von Starregisseur Armin Petras spielt Saarbrücken in der ersten Liga.

Napoleon

Foto: Martin Siegmund

Napoleon im Saarländisches Staatstheater, und das gleich in fünffacher Ausfertigung, was für ein Ereignis!
Mit diesem Napoleon von Starregisseur Armin Petras spielt das Saarländische Staatstheater in der ersten Liga.

Eine Kritik von Armin König

Wenn der Satz „Das war großes Kino“ für das Theater Berechtigung hat, dann in dieser bild- und sprachgewaltigen Inszenierung, total modern, in unglaublich schneller Schnittfolge wie ein Musikvideo, mit Klangeffekten, Assoziationen, Video-Einspielern – und einem bärenstarken Ensemble. Fünf Napoleons, spielfreudig in je eigener Charakteristik, die zwei fiesen, bösen Hintergrundintriganten Talleyrand und Fouché und ein großartiger Bürgerchor haben in diesem monumentalen Werk Großes geleistet. Autor Armin Petras hat sie als Regisseur exzellent geführt.

Ja, das war herausfordernd. Und an manchen Stellen gibt es noch Luft. Auch in der ersten Liga kann man noch Spielzüge optimieren.
Ja, man braucht einen langen Atem.

Nein, man kann sich nicht bequem in den Sessel zurücklehnen und zuschauen, denn man muss schauen, hören, Übertitel lesen, um den waghalsigen Wegen Napoleons zu folgen.

 

Aber er ist eben nicht nur der Waghalsige, sondern auch der Unbeholfene (gegenüber Frauen oder beim Tanz), der Kaputte, der Zweifelnde.

Deshalb gefällt mir diese Aufführung sehr gut.

Und was mir noch nie so bewusst war: Er ist auch der Initiator des modernen Rechtswesens mit dem Code Civil. Und dafür hat sich Petras besonders viel Zeit gelassen. Das war ein sehr originelles Rechts-Brainstorming.

Weil es so unerwartet kam.

Also:

Napoleon als Emporkömmling, Feldherr, Seitenwechsler, selbsternannter und selbstgekrönter Kaiser, Gesetzgeber und Tyrann – das war zugegebenermaßen viel Stoff.
Und Assoziationen zu Trump, Putin, Xi Jinping, zu Zensoren, Nazigrößen, modernen Tech-Nokraten aus den USA gab es durchaus zuhauf – und ein paar Regiegags mit Requisiten (Verfremdungseffekt, Regietheater).
Mich haben Bühnenbild, Kostüme, musikalische Einspieler ebenso überzeugt wie die dramaturgischen Hinweise im Programmheft.

 

Warum der SZ-Verriss?

Wieso dann SZ-Kritikerin Isabell Schirra einen veritablen Verriss in der Saarbrücker Zeitung geschrieben hat, verständnislos?
„Es ist noch keinem Kritiker eingefallen, dass er viellicht nicht lesen könnte“, hat Friedrich Dürrenmatt in seinen „Theater-Schriften und Reden“ geschrieben. Oder sagen wir es freundlicher, ebenfalls mit einem Dürrenmatt-Satz: „Kritiker haben immer auch, nie nur Recht“. Es ging ja auch nicht nur ums Lesen, sondern auch ums Hören, Sehen, Staunen.
Und die Kolleginnen und Kollegen Kritiker:innen waren denn auch ganz anderer Meinung, so wie auch Zuschauerinnen wie Frau (Prof.) Oster-Stierle in ihrem SZ-Leserbrief.
Ich schaue mir den Napoleon nochmal an, um mit dem Vorwissen der Premiere noch mehr Details genießen zu können: Und die besonderen Bösewichte, die es in jedem Super-Stück gibt: Talleyrand, den „Diplomaten“ & Schleimer und den besonders perfiden Polizeiminister Fouché. Wie stellt Napoleon am Schluss in der Verbannung auf St. Helena fest: Alle Umwälzungen überleben nur Bürokraten und Opportunisten.

 

Napoleon
von Armin Petras
Uraufführung
Regie: Armin Petras, Bühne: Julian Marbach, Video: Maria Tomoiaga, Kostüme: Cinzia Fossati, Musik: Nicolai Gonther & Gabi Pochert, Licht: Patrik Hein, Dramaturgie: Simone Kranz.
Mit: Lucas Becker, Bernd Geiling, Nicolai Gonther, Sébastien Jacobi, Anna Jörgens, Wolfgang Michalek, Gaby Pochert, John Armin Sander, Carl Matti Steub, Gregor Trakis und dem Bürger*innenchor.
Foto: Martin Siegmund.

 

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