Wir sind ein Bollwerk der Demokratie. Wir in Illingen sind aber auch ein Bollwerk gegen Rassismus und Extremismus

Rede von Bürgermeister a.D. Armin König anlässlich der Demonstration gegen die NPD am Samstag, 18.7.2026

[Blick auf das Publikum, die vielen Menschen, die gekommen sind, um zu für Demokratie und Toleranz zu demonstrieren]

Das ist Illingen, meine Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Hunderte Menschen, die gegen Rechtsextremisten  demonstrieren und Farbe bekennen

Wir sind Zivilcourage, wir sind Demokratie

Ihr seid Zivilcourage.

WIR sind Zivilcourage.

Wir sind Demokratie, und wir sind stark. Deshalb sind wir heute gekommen.

Wir sind stark, weil wir gemeinsam handeln.

Dafür sind wir hier, auf diesem historischen Platz mit dem Torbogen der Synagoge, der Illipse und dem Pfarrheim, um zu zeigen:

Wir Demokraten stehen zusammen auf diesem für die Zivilgemeinde, für Bürgerinnen und Bürger, für die Kirche und für die jüdische Kultusgemeinde so geschichtsträchtigen Boden.

Hier kommen Historie und Moderne, Heimat und Weltoffenheit, Kultur und Politik zusammen. Wir stellen uns der Geschichte. Verbrechen dürfen sich nie mehr wiederholen. Wir handeln in der Gegenwart, um die Zukunft unserer Kinder und Enkel zu schützen und zu sichern. Wir sind da, und wir sind viele.

Wir Demokraten achten das Recht und stehen für Freiheit und Menschlichkeit

Wir sind Demokratie. Wir achten das Recht. Wir stehen für Freiheit und Menschlichkeit.

Herzlichen Dank, dass ihr da seid. Ihr seid echt klasse.

Und herzlich willkommen bei dieser Demonstration für Freiheit und Demokratie und Toleranz –

gegen Extremisten, gegen Rassisten und gegen Feinde der Demokratie, der Freiheit und der Menschlichkeit.

Ich personalisiere das mit Absicht. Es geht hier nicht um abstrakten Extremismus. Um abstrakten Rassismus.

Es geht um Personen, die uns bedrohen, um Extremisten, Rassisten, Menschenfeinde, die durch unsere Gemeinde marschieren.

Und es geht um die, die das klammheimlich gut finden oder gar unterstützen. Das gab es schon einmal, auch in dieser Gemeinde.

Das bedrückt mich, das empört mich auch.

 

Wir gegen DIE!

Wir müssen das so klar benennen. Wir gegen die DIE.

DIE dürfen niemals mehr Macht und Einfluss auf unser Land, auf unsere Gemeinde, auf unser Leben gewinnen. Nie mehr. Wehret den Anfängen.

Diese Typen sagen „Wir holen uns unser Land zurück“. Was für eine unverschämte Drohung, die mir auch Angst macht. Denn da gibt es nichts „zurückzuholen“.

Damit das ganz klar ist:

NIEMAND WIRD SICH DIESES LAND UNTER DEN NAGEL REISSEN, WENN WIR ES NICHT ZULASSEN. WIR SIND DAS LAND, WIR SIND DAS VOLK, WIR SIND DEMOKRATIE. WIR SIND DIE MEHRHEIT. WIR STEHEN FÜR FREIHEIT, MENSCHLICHKEIT UND RECHTSSTAATLICHKEIT.

Die große jüdische Publizistin Hannah Arendt hat von der Banalität des Bösen gesprochen, als es um den Prozess gegen den Massenmörder Eichmann ging, der die Judenvernichtung organisiert hat. Diese Banalität des Bösen steht in unendlich vielen Gerichtsakten. Und diese Partei NPD sieht sich in der Tradition der Nationalsozialisten.  Das ist die große Schande. Diese Partei ist von Grund auf verfassungswidrig. Und heute marschiert sie hier mit einem Dutzend Aktivisten. Das ist eine Schande.

Die Banalität des Bösen beginnt vor unserer Haustür. Mit Hetze, Ausgrenzung, Diffamierungen, Gewalt. Und mit solchen Märschen durch eine Gemeinde. Mit Drecksparolen und Anfeindungen. Man will die Bürger  mit Rattenfängermethoden locken und die Gegner einschüchtern. Wir lassen uns aber nicht beeindrucken.

Wehret den Anfängen!

Wehret den Anfängen, heißt es. Aber leider scheinen wir über diese Anfänge schon wieder hinaus zu sein. Leider hat das Bundesverfassungsgericht diese Nazipartei im Januar 2017 nicht verboten. Die Richter urteilten, dass die Partei zwar verfassungsfeindliche Ziele verfolge, ein Verbot jedoch nicht erforderlich sei, da es an konkreten Anhaltspunkten für einen möglichen politischen Erfolg der Partei fehle.  Ich halte diese Ansicht zwar für grundfalsch, respektiere die Gerichtsentscheidung aber natürlich. Ich will nur auf die Gefahren hinweisen.

 

Mordfälle durch Rechtsextremisten

Der Saarlouiser Mordfall Yeboah, der jahrzehntelang vertuscht und später verharmlost wurde, zeigt, dass auch kleine Gruppen Furchtbares anrichten können. Das gilt auch für die unfassbare jahrelange Mordserie des NSU. Es gilt für Brandanschläge und Terrorakte.

Und – liebe Demokratinnen und Demokraten – es kann auch mutige demokratische Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker  treffen.

In Hessen ist der CDU-Regierungspräsident Walter Lübcke von einem Rechtsextremisten hingerichtet worden. Der Mord an Lübcke hat mich zutiefst erschüttert. Und bis heute fehlt ein angemessenes Erinnern an diesen mutigen Christdemokraten.

In Hanau hat ein Rechtsextremist neun Menschen aus rassistischen Motiven kaltblütig ermordet.

 

Persönliche Anmerkungen nach Morddrohungen

Und nun ganz persönlich:

In Illingen hat mir mutmaßlich ein Rechtsextremist mit Verweis auf Walter Lübcke Morddrohungen geschickt, die mich zutiefst getroffen haben.

Er wolle mich und meine Familie abschlachten wir ein dummes Schwein. So stand es in einem der Briefe. Er habe sich ein Spezialgewehr gekauft. Er habe mich Tag und Nacht im Visier. Solche Bedrohungen legt man nie mehr ab. Das bleibt tief in der Seele stecken. Das gefährdet unsere Demokratie vor Ort. Existenziell. Ich sage heute noch mal danke an alle Mitglieder des Gemeinderats und der Gemeinde, die mir damals den Rücken gestärkt haben.

Die Banalität des Bösen beginnt lokal – vor der Haustür

Die Banalität des Bösen beginnt im Kleinen.

Dem müssen wir gemeinsam unsere Entschlossenheit zur Verteidigung der Demokratie entgegensetzen.

Deshalb müssen wir jetzt erst recht Farbe bekennen. Gerade weil die Zeiten schwierig sind.  Das tut ihr. Und das ist gut und wichtig und richtig so-

Dieser Platz ist historisch. Hier stand früher die Synagoge der jüdischen Gemeinde Illingen. Sie war integriert in das Gemeindeleben. Unmittelbar daneben stand das katholische Pfarrheim. Katholiken und Juden haben miteinander gefeiert, haben miteinander getrauert; heute signalisiert das Media-Futura-Kunstwerk mit dem Torbogen von Hüwels die große Lücke, die das verbrecherische Regime der Nationalsozialisten auch hier in Illingen gerissen hat.

Heute machen wir die Mitte Illingens, machen wir diesen Platz mit dem Torbogen der Synagoge, der Illipse und dem Pfarrheim zu einem Kraftzentrum der Demokratie. Ihr alle seid der beste Beweis, dass Demokratie lebt. Hier sind Menschen mit Fleisch und Blut und einem unbändigen Willen, die Demokratie zu verteidigen.

Lieber Andreas Hübgen, lieber Guido Jost,

liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Ill-Rock-City-Freunde, liebe Juzler,

Vertreterinnen und Vertreter unserer demokratischen Parteien,

der Schulen ohne Rassismus,

Mitglieder der Vereine aus Sport, Kultur, Kirche, Gewerkschaften, Hilfsorganisationen,

Privatleute, Gäste.

Es ist so großartig, dass ihr alle hier seid und zeigt:

Wir sind ein Bollwerk der Demokratie.

Wir sind aber auch ein Bollwerk gegen Rassismus und Extremismus.

Menschenwürde, Freiheit und Demokratie sind niemals verhandelbar

Bürgermeister Andreas Hübgen hat in seiner Rede Klartext gesprochen. Das hat mich sehr gefreut. Dass uns alle, jung und alt, ganz gleich, wo wir herkommen, die Überzeugung eint, dass Menschenwürde, Freiheit und Demokratie niemals verhandelbar sind.

Wir haben diese Kundgebung spontan und mit großem Enthusiasmus angemeldet, weil wir darauf vertraut haben, dass ihr alle kommt, und ihr seid gekommen. Guido Jost und ich haben unterschrieben, dass wir Verantwortung für diese Veranstaltung übernehmen, stellvertretend für all die vielen Beteiligten, um zu zeigen, dass es hier nicht um Parteipolitik geht.

Ich danke Andreas Hübgen, der CDU, der SPD, der UGKM und den Grünen für ihre Initiative. Ich stehe hier als einfacher Bürger dieser Gemeinde ohne Amt und Mandat, als Ehrenamtler, als kritischer Geist und als begeisterter Demokrat. Ich bin einer von euch. Einer von vielen. Wir sind Gemeinde. Wir sitzen in einem Boot. Und wir rudern gemeinsam.

Die Dreistigkeit der Nazis, ausgerechnet durch Illingen zu marschieren

Ich stehe aber auch hier, weil mich dieser Wahnsinn umgetrieben hat, dass Rechtsextremisten in der Tradition der Nationalsozialisten die unverschämte Dreistigkeit besitzen, ausgerechnet durch Illingen zu marschieren,

vorbei am Mahnmal der Synagoge,

vorbei an der Courage-Erinnerungstafel für die verschleppten und ermordeten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger,

vorbei an den Stolpersteinen, die wir mit Günter Demnig und vielen Schülerinnen und Schülern des Illtal-Gmynasiums und der Arnold-Fortuin-Gemeinschaftsschule verlegt haben,

vorbei an der Kirche St. Stephan, an der Pfarrer Arnold Fortuin gewirkt hat, mein ehemaliger Religionslehrer, der Dutzende Sinti vor den Mord-Schergen der Nazis gerettet hat und den viele den Oskar Schindler der Sinti und Roma nennen.

Mich erschüttert, dass NPDler mit Nazisymbolen durch unsere Straßen laufen

Mich erschüttert, dass es heute noch oder wieder möglich ist, dass NPD-ler mit Reichskriegsflagge und Nazisymbolik an einem Samstagnachmittag hetzend durch unsere Straßen ziehen dürfen. Das hatten wir zwar schon mal. Aber diesmal wird es anders laufen.

Illingen setzt Zeichen

Illingen setzt Zeichen. Illingen macht ernst. Illingen ächtet die alten und die neuen Nazis, die sich erdreisten, heute durch Illingen zu ziehen, in der eine der größten jüdischen Synagogengemeinden ab 1938 vernichtet wurde. Hier an dieser Stelle stand die Illinger Synagoge, die am 10. November 1938 von fanatischen Nazis niedergebrannt wurde. Und die Helfershelfer dieser fanatischen Verbrechen standen daneben und haben applaudiert statt zu löschen. Und jetzt singen sie wieder, die Extremisten, die Nationalisten und Chauvinisten und manche äußern noch Verständnis, weil dies ja keine verbotene Partei sei.

Demokratie ist nicht bequem

Demokratie ist nicht bequem. Das habe ich von Robert Krisch gelernt, der als Direktor des Illtal-Gmynasiums mit Schülerinnen und Schülern die fatale Geschichte der jüdischen Gemeinde in Illingen aufbereitet hat.

Man muss für die Demokratie kämpfen. Man muss für sie einstehen.

Für Menschlichkeit. Für Freiheit. Für Freizügigkeit. Für Gleichheit vor dem Gesetz.

Gegen Diskriminierung. Gegen Rassismus. Gegen Hass. Gegen Rechtsbruch. Gegen Fanatismus.

Hier gibt es keinen Millimeter Platz für Rechtsextremismus.

Hier gibt es keinen Millimeter Platz für Rechtsextremismus.

Nicht in unseren Verein, nicht unseren Schulen, nicht auf unseren Straßen. Aber auch nicht am Stammtisch oder im Freundeskreis.  Wir alle tragen Verantowrtung. Das hat Andreas Hübgen völlig richtig gesagt.

Wir sind Demokratie

Wir sind viele, wir sind stark. Und wir sind DEMOKRATIE.

WIR SIND DAS VOLK.

GUT DASS IHR DA SEID. Ihr seid die Größten. Danke.